San Kdt Pillwein Eugen Spitalzug 4

 
Für den Verwundetentransport ins Hinterland wurden Krankenabschubstationen bei Eisenbahnstationen eingerichtet. Hierher wurden die Verwundeten und Erkrankten von mit Pferden bespannten Krankenwagen (später mit Sanitätsautos) gebracht. Sanitätszüge brachten sie dann ins Landesinnere.
 
Da die Kapazitäten der eingerichteten Sanitätszüge während des Krieges nicht ausreichten, mussten sich die Verwundeten und Kranken auch mit einfacheren Modellen begnügen: Züge, die eigentlich für 120 bis 130 Personen vorgesehen waren, wurden so auch mit mehreren Hunderten Kranken und Verwundeten belegt. Oft fanden jedoch die Transporte mit Güterwagons statt, in denen zuvor Soldaten und Militärgüter in die Etappenräume der Front transportiert worden waren. 
 

Stiftungszüge, die auf Kosten des Malteserritter-Ordens eingerichteten Züge sind auf 2 Arten zusammengestellt. Bei der einen Zusammenstellung finden 100 Liegende und 125 Sitzende, bei der andern nur 150 Liegende Platz. Die Wagen für die liegenden Kranken sind bereits im Frieden hierfür ausersehen und bereitgehalten (Sanitätswagen mit Dachaufsätzen), wogegen für Sitzende Personenwagen verwendet werden.

Bei einigen dieser Züge sind auch Operationswagen eingestellt.

Als weitere Stiftungszüge sind zu nennen:

 
Liegende  Sitzende
Spitalszug Kasselik 160
Spitalszug Fürst Schwarzenberg 100 75
Spitalszug Anglobank 70 200
S. Steirer Rotes Kreuz 80 275
Perm. Krankenzug Clary 67 300
Spitalszug Augusta 80 400
S. österr. Rotes Kreuz 240
S. ung. Rotes Kreuz 100
S. Graf Karoly 100 70
S. Wr. Freiw. Rettungs-Ges. 110
 
Einen Überblick über die verschiedenen Arten von Sanitätszügen bietet die Aufstellung von Victor Röll in der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens (Band 8. Berlin, Wien 1917, S. 304-306).
 
In Österreich-Ungarn sind nach den Bestimmungen der Vorschrift für Sanitätszüge des k. u. k. Heeres folgende Arten von Zügen verwendet worden:

 

A. Spitalszüge für Schwerkranke und Schwerverwundete, die während des Transports eine spitalsmäßige Behandlung erfordern;

 

B. Krankenzüge für Leichtkranke, die für einen kürzeren Turnusverkehr bestimmt sind.

 

Die ersteren bestehen aus 26 Wagen, befördern nur Liegende. Die letzteren umfassen 25 2achsige Wagen und sind für 300 Sitzende und 64 Liegende eingerichtet.

 

Diese Züge werden erst im Kriegsfall aufgestellt. Die für Sanitätszwecke erforderlichen Herstellungen zerfallen in vorbereitende Adaptierungen und in definitive Einrichtungen.

 

Außer diesen angeführten Zügen sind im Kriegsjahr 1914/15 noch aufgestellt worden:

 

1. Staatsbahnkrankenzüge, bei denen als Krankenwagen Personenwagen III. Kl. der Wiener Stadtbahn eingereiht und derart ausgestattet sind, daß für 72 Liegende (auf eingeschobenen Feldtragen) und 225 Sitzende Platz geschaffen ist.

Das Einladen der Kranken erfolgt durch 2 Fensteröffnungen in den Seitenwänden, die durch eine Klappe geschlossen werden.

 

2. Infektionskrankenzüge. Diese Züge sind auch als unauflösbare Garnituren gebildet, haben eine verschiedenartige Zusammensetzung und dienen nur für die Beförderung von Infektionskranken. Man unterscheidet solche mit 48, 50 und 52 Achsen, die je nach der Wahl der Wagen einen Belagraum von 90–128 für Liegende und einen solchen von 60–330 für Sitzende aufweisen.

Außer den sonst erforderlichen Ausrüstungsgegenständen sind diesen Zügen noch eine entsprechende Anzahl von Leibstühlen, Leibschüsseln, Gefäßen mit Karbollösung und Kalkmilch sowie Waschvorrichtungen beigegeben.

 

Im Jahre 1916 wurde von Seite der freiwilligen Sanitätspflege als Ergebnis einer eigenen Aktion eine ganz besondere Formation eines Infektionszuges der k. u. k. Heeresverwaltung übergeben.

Dieser Zug hat außer den 15 Krankenwagen und den notwendigen Hilfswagen für die Verpflegung und Behandlung der Kranken noch einen Bade- und Desinfektionswagen, einen Maschinenwagen für Eis- und Trinkwasserbereitung, einen Wäschereiwagen, einen Büglereiwagen und einen Wagen, in dem alle menschlichen Ausscheidungen, Verbandmaterial u.s.w. in einem eigenen Ofen verbrannt und unschädlich gemacht werden.

Der Zug kann 120 Kranke auf eigenen Bettlagerungsapparaten, deren Bauart von genannter hoher Seite erdacht ist, befördern.

 

3. Schlafwagensanitätszüge. Diese Züge sind aus vorhandenen Speise- und Schlafwagen der Internationalen Schlafwagengesellschaft nach 2 Arten, u.zw.: 2 Dienstwagen, 3 Speise- und 5 Schlafwagen oder 2 Dienstwagen und 8 Speisewagen nach entsprechender Umgestaltung für 120 Liegende zusammengesetzt.

 

Ferner sind Formationen geschaffen worden:

1. Fahrbare Verköstigungsstationen;

2. Sanitätsrüstwagen;

3. mobile Labezüge. 

 

 


VATER:

Hofrat Eugen Pillwein (* 17. November 1854 in Linz, † 2. November 1920 in Salzburg) war ein österreichischer Verwaltungsbeamter sowie zeitweilig Vorstand der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde.
Eugen Pillwein war ein Enkel Benedikt Pillweins. Er trat in Linz in den Staatsdienst, wurde Statthaltereisekretär. Nach Salzburg brachte ihn seine Ernennung zum Bezirkshauptmann. Er war
1900 – 1916 Inhaber (Leiter?) des Gewerbedepartements bei der Salzburger Landesregierung, zuletzt für das Ernährungsreferat verantwortlich.
1918 ging er in Pension.
1919/1920, bis zu seinem Tod, stand er an der Spitze der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Eugen Pillwein war Träger hoher Auszeichnungen sowie Ehrenbürger der Gemeinden TamswegStraßwalchen-Land, St. GilgenHenndorf und Morzg.
Quelle;
http://www.zeno.org/Roell-1912/A/Sanit%C3%A4tsz%C3%BCge