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 Oberleutnant Erich Saffert

Dieser Akt ist einer der wichtigsten und umfangreichsten in der Salzburger WehrGeschichtlichen Rainerforschung. Durch die Freundschaft zu Leutnant Warta vom 4. Tiroler Kaiserjägerregiment und seinem Vater in der Adjutantur der III. Armee finden sich viele weitere Querverweise. Erich Saffert sticht dadurch hervor, dass er ein eigenes Buch aus den Aufzeichnungen aus seinem Tagebuch geschrieben hat. Er hat sich auch um eine der höchsten Auszeichnungen beworben, den Maria Theresia Orden. Dieser wurde ihm letztlich, obwohl sicher verdient, aus formalen Gründen verweigert.
 
 
Seine Waffe:

Erich Saffert ging mit einer Rast und Gasser Modell 1898 in das Feld. Die Nummer 4547 weist die Waffe als frühes Modell ohne Laufverstärkung aus. Abgenommen wurde die Serie 3039 - 5801 mit WnDpla 1. Wir durften diese Waffe aus erster Hand übernehmen und sagen auch hier herzlichst DANKE dafür.

 
 
Seine Auszeichnungen:
 
Mil. Verdienstkreuz III. Kl. mit K.D. u. Schwertern
Silb. Tapferkeitsmedaille 1. Kl. zweimal
Silb. Tapferkeitsmedaille 2. Kl.
Bronz. Tapferkeitsmedaille
Karl Truppenkreuz
Verwundetenmedaille
Feldzugsmedaille u. div. Kdr. Belobungen u.a. vom 8.1.1916

Regiments Kmdo – Befehl vom 21./I. 1916 Punkt 1 ist die belobende Anerkennung für sein tapferes Verhalten am 15. d. M. Davor schon im Div.Kmdo Bef. und jetzt auch im Rgts.Kmdo Befehl.
 
29./6. 1916 Mit seiner Patr. eine feindliche Patr. umzingelt und ohne eigene Verluste zwölf Italiener gefangen genommen. Dafür wurde er auf Befehl des Regimentskom. zu einer Auszeichnung eingegeben und bekam eine RgtsKmdo-Belobung.
 
Die Ablehnung des MTO in einem Brief von GO Dankl. Original aus dem Archiv Dankl GO der SWGR:
 

Hochwohlgeborenen Herrn Dr. Erich Saffert, Salzburg, Julius Haagnstr. 16

Baden bei Wien staatliche Heilanstalt.

Innsbruck, 10 / 5 1931

Lieber Freund! Aus Ihren beim M. M. Theresien – Orden anliegenden Akten, die ich mir kommen ließ, habe ich ersehen, daß Ihnen schon im März 1924 mitgeteilt wurde, die Bewerbung um den Orden können nach den Ergänzungen der Ordens Statuten vom J. 1878 nur Offiziere zugesprochen werden. Seither hat das Kapitel in mehreren ähnlichen Fällen unverändert an diesem Standpunkt festgehallten.

Es tut mir sehr leid, Ihnen keine besseren Nachrichten zukommen zu lassen u. bleibe mit den herzlichsten Grüßen Ihr Dankl GO

 


Seine Verwundungen und Erkrankungen:

1915

2. Mai Feld- u. Reservespital Brunneck - Spital Salzburg, Kugelschüsse an der linken Wade u. am rechten Oberschenkel

1916

Februar 1916 Malaria laut Angabe Saffert, Influenza lt. MilÄrztl. Zeugnis, Spital Kielce und Lubin

18. 5. 1916 ins Feldspital Bajonettstich am rechten Oberschenkel

1916 Minensplitter, Schussverletzung an beiden Händen

29. August div. Sanitätsanstalten schwerer Lungensteckschuss (Splitter) subarbitrirt als Invalide.

Im Jahr 1923 wurde das Sprengstück in München entfernt und in Gold gefasst.


 


Zwei Briefe und ein Tagebucheintrag sind hier exemplarisch veröffentlicht, wobei der Dank der SWGR hier herzlichst an Frau Erna Gurtner ausgesprochen werden muss, die unermüdlich die Reinschrift der Akten verfasst  

K.u.k. Inf. Rgt. Erzherzog Rainer Nr. 59. Gr. Kmdo. d. 3. I.T.D.   Absender: Erich Saffert, k.u.k. Kadett im I.R.59. 1.Feldk. Adjutant des Gruppen Komdt. der 3. I.T.D. Feldpost 174   Zeit: am 6 ten Dezember 1915 um 7h 20m vorm.  

Liebste Gretl!

Komme endlich einmal meinem Versprechen nach, dir einen meiner Patrouillengänge an der Front näher zu schildern. Gleich in medias res!

Es ist Mitternacht. Mit Pistole und Spaten bewaffnet, trete ich aus meiner Villa „Insektenheim“ heraus in den Schützengraben. Pechschwarze Finsternis liegt über den Fluren, zeitweise durchkreuzen grelle Raketen den dunklen Nachthimmel, ein Stück des Vorterrains hell beleuchtend. Nichts regt sich, nur das fortwährende „Batz“ der russischen Explosivkugeln und das beinahe melodische Pfeifen der normalen feindliche Geschosse hört man, manchmal unterbrochen durch „Halt!- wer da!“ Rufe unserer Posten. Langsam wie ein Nachtwandler gehe ich dahin, bis sich das Auge an die Finsternis gewöhnt hat. Jetzt bin ich bei der Sammelstelle der freiwilligen Patrouilliere angelangt, sechzehn Gestalten harren dort meiner, das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonette in der Hand, in beiden Manteltaschen je zwanzig Patronen. Die nötigen Befehle habe ich bereits am Tage vorher erteilt, jeder einzelne weiß, um was es sich handelt und was er machen muss, wir gehen also gleich ans Werk.

Lautlos, einer hinter dem andern entsteigen wir dem dunklen Schoß der Erde. Jetzt heißt es, durch das Labyrinth der Drahthindernisse hindurch kommen, anschließend daran durch das Minenfeld. Doch der im Zickzack führende Weg ist mir schon bekannt, bietet also keine Schwierigkeiten mehr. Posten und Feldwachen werden mit dem Feldrufe abgefertigt, jetzt steigen wir noch über den Falldraht, und wir haben die Hinderniszone glücklich hinter uns. Wir gehen sofort in Schwarmlinie über und bleiben vorläufig liegen. Die Geschoße pfeifen normal weiter, nichts Verdächtiges zu bemerken, und so gebe ich dann das Zeichen zum Vorrücken. Einzeln und sprungweise wird vorgegangen. Da steigt vor uns eine feindliche Rakete auf, sofort liegen wir alle regungslos eng an den Boden geschmiegt da und warten, bis es wieder finster ist. Jetzt sind wir auf ca. fünfzig Schritte an die russische Feldwache herangekommen, ohne dass wir bemerkt worden sind, ich gebe das Zeichen zum Halten und nun wird beobachtet, unterstützt durch Raketen, die bald links, bald rechts, bald vor und bald hinter uns abgeschossen werden. Nach beiden Seiten schicke ich zwei Mann Flankendeckung hinaus, um vor dem Abfangen sicher zu sein. Mittlerweile beginnt es allmählich zu dämmern, man sieht schon bis auf zwanzig Schritte, jetzt kommt die Zeit zum Handeln.

Elf Männern gebe ich den Befehl einzurücken, die fünf schneidigsten behalte ich bei mir. Jetzt avisiere ich „weiter vorrücken“. In der rechten Hand die Pistole, in der linken den Spaten und um den Hals den Zeiss Feldstecher krieche ich am Bauche dahin, langsam und vorsichtig. Es dämmert bereits, die Zeit, wo die russischen Posten und Feldwachen einrücken. Meine Absicht ist es, den abziehenden Feldwachen zu folgen und in einer, dem Feinde möglichst nahen, Feldwachstellung gedeckt einige Skizzen und Wahrnehmungen zu machen. Dies gelingt mir auch, noch immer vom Feinde unbemerkt. Wir sind bereits so nahe, dass wir die Russen im Schützengraben reden hören. Da bemerke ich ca. fünfzehn Schritte vor mir den Ausgang des feindlichen Laufgrabens vom Schützengraben her. Sofort steht mein Entschluss fest. Ich nehme eine mitgebrachte Handgranate zu mir und von einem Gefr. Begleitet, krieche ich wie eine Schlange auf den Laufgraben los. Kaum sind wir aus der Feldwachstellung heraußen, da beginnt plötzlich der russische Scheinwerfer zu arbeiten. Eine verflucht unangenehme Lage, vierzig Schritte vor uns der feindliche Graben und wir ganz ungedeckt auf freiem Felde. Doch auch das wird glücklich überstanden, und wir gewinnen immer noch unbemerkt den Laufgraben. Wir schleichen uns noch ein Stück vorwärts, doch die Sache wird schon etwas ungemütlich. Die Handgranate wird schnell als Mine im Boden verankert, in einen vorgefundenen russ. Rucksack stopfe ich Patronentaschen mit japanischen Explosivgeschossen und andere Munition, einen russ. Spaten und andere Sachen (Bajonett etc.), die sich im Graben befanden. Eben wollte ich mit dem Gew. wieder zurück, - es war mittlerweile fast taghell geworden - und hatte die Absicht, in einer dieser Feldwachstellungen tagsüber zu bleiben, um mit Einbruch der Dunkelheit in die eigene Stellung zurückzukehren, da war bei den Russen plötzlich Alarm, wir waren bemerkt worden.

Jetzt hieß es Fersengeld zu geben. Unser plötzliches Erscheinen musste aber bei den Russen eine lähmende Wirkung ausgeübt haben, denn zunächst war nur ein wirres Geschrei und Durcheinander, bis sie allmählich zu schießen anfingen, da sie sahen, dass wir nicht stürmten sondern zurückliefen und nur sieben Mann stark waren. Mittlerweile hatten wir aber im schnellsten Tempo einen ziemlich großen Vorsprung gewonnen, da beginnt plötzlich in unserer linken Flanke ein russ. Maschinengewehr zu rattern. Ich hatte gerade noch Zeit, mich in eine Ackerfurche hineinzuschwingen, da sausten auch schon die Kugeln kaum spannhoch über mir hinweg. Die Pausen in der M.G. Beschießung benützen wir, um sprungweise zurückzugehen. Als wir auf ca. achtzig Schritte vor die eigene Stellung glücklich gekommen waren, da wurden wir mit dem eigenen Maschinengewehr eingefangen. In welcher Gemütsverfassung ich in diesem Augenblick gewesen bin, lässt sich schwer schildern. Zum Glück hörte dieser Trottel bald auf zu schießen, da ihn die Anderen gleich eines Besseren belehrten. Dieses Ober – Rindviech wurde auch gleich vom Baons und Komp. Kommandanten an Ort und Stelle abgeohrfeigt und zum Schluss auch noch von mir mit einer schallenden Ohrfeige bedacht. Kurz und gut, ich bin mit meinen Leuten und meiner Beute gesund und wohl zurückgekehrt und wurde dann zum Regts. Komdo zitiert, um persönlich Bericht zu erstatten. Also geschehen anno 1915 am 16. November.

Nun hast du eine kleine Vorstellung, wie es hier zugeht, natürlich lässt sich das nie so schildern, wie es in Wirklichkeit ist. Bitte schreib mir, ob du diesen Brief erhalten hast. Wie geht es den lb. Eltern, seid ihr alle gesund? Ich befinde mich wohl. Euch und alle Bekannte grüßt recht herzlich Dein Bruder Erich


6. VII. 1916

Ehrenf. Herrn Andreas Saffert, K. K. Bezirksförster in Salzburg, Paracelsusstr. 14. / 1

Absender: Erich Saffert, Fähnrich i. d. Res., I. R. 59, 3. Feldkomp., Feldpost 64 im Felde am 4. Juli, 1916

Liebste Eltern!

Unter meiner Kriegsbeute vom 2. d. M. befanden sich auch einige ital. Feldpostkarten, deren ich Euch eine der Originalität halber schreibe. Ich bin wohlauf und gesund. Letzte Nachricht von Onkel Georg vom 26. Juni. Am 1. August werde ich wahrscheinlich Leutnant. Am 2. Juli bin ich neuerlich zur großen Silbernen mit der Spange eingegeben worden, am 29. Juni zur kleinen Silbernen. Urlaub gibt es noch immer nicht, vielleicht in der zweiten Hälfte Juli. Ich grüße Euch alle recht herzlich! Erich.

Diese Karte und 3 unbeschriebene haben sich erhalten und sind in der Sammlung der SWGR

 

10. April 1916 Montag. Heute ging ich ins K u. K. zahnärztliche Ambulatorium, wo mir in fünf Minuten ein Zahn plombiert wurde, das Reißen eines Stockzahnes geschah folgender Maßen. 10 h 15 vorm. Beginn. Ich sitze auf einem Sessel ohne Kopflehne. 10 h 17`setzt er mit der zweiten an. 10 h 19´mit der dritten. 10 h 22` zersplittert er mir den Zahn mit der vierten Zange.

10 h 25`kommt er mit der sechsten Zange. Ich werde wild und spucke ihn mit Blut an. 10 h 28`reißt das erste Stück heraus. 10 h 32`kommt der Oberarzt und reißt mir mit der siebenten Zange einen Großteil des Zahnes u. einem Teil des Kiefers heraus, wobei der halbe Gaumen flöten geht und ein Loch entsteht, daß ich die Luft von der Nase durch das Zahnloch in den Mund ziehen kann und umgekehrt Speisen oder Getränke durch die Nase weiter herauskommen. 10 h 35`zieht mir der Off. Arzt mit einer Pinzette die letzten Splitter heraus. Das ganze geschah ohne Injektion.

 

LEBEN UND STERBEN LASSEN

Der unerwartete Angriff. Ein junger italienischer Leutnant wird von Erich Saffert mit einem Kopfschuss getötet. Ein Infanterist rettet ihm Sekunden später im Gefecht das Leben und stirbt selbst durch einen Herzschuss. Er wird verwundet und tötet einen zweiten Angreifer mit dem Messer im Nahkampf. Einen Tag später findet er die Fotos des italienischen Leutnants. Der junge Infanterist Kirchsteiger, der ihn rettete und sein Leben gab, wird als einer von sechs beim berühmten Rainergrabstein beerdigt. Wanderer kommst du nach Salzburg, sag ihnen, dort in der Heimat, dass wir gefallen, getreu unserem Kaiser und Land. Schicksale erfüllten sich.....

Zurück bleiben vier Gefallene und Erich schreibt ein Buch, in dem sie Geschichte schreiben. Sie bleiben nicht namenlos, gesichtslos und somit unvergessen,....

Die genaue Beschreibung des Gefechtes haben wir aus den zwei Seiten seines Buches übernommen, untenstehend noch der gekürzte Brief an seine Schwester.

 

6. VI. 1916

Absender: Fähnrich Saffert, I.R. 59, 1. Feldkomp. Feldpost 64

Wohlgeb. Familie Saffert, Salzburg, Paracelsusstraße 14.

im Felde am 4. Juni, 1916

Liebste Eltern! u. Schwester!

Wenn Ihr mich jetzt sehen würdet, so würdet Ihr wohl nicht glauben daß ich solche Strapazen hinter mir habe, ich sehe nämlich sehr gut aus. Bei mir hat es den Anschein, als müßten die Strapazen fördernd wirken auf Aussehen u. Entwicklung. Bitte, ängstigt Euch nur nicht um mich, Unkraut verdirbt nicht, sagt ein altes Sprichwort.

Ich möchte wohl verflucht gerne wieder einmal im Garten herumpatzen und etwas anderes betreiben, als Menschen ins Jenseits befördern. Habe am 18. Mai einen Leutnant erschossen, ein jungen Burschen mit 21 Jahren, der Schuß ging durch den Stahlhelm durch Stirne u. Kopf und ich habe ein Lichtbild von ihm und seiner Braut. War ein schneidiger Junge. Die Italiener sind übrigens so perplex und anscheinend der Verzweiflung nahe, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun u. lassen sollen. Wir haben sie auch exemplarisch verledert. Ihre Kerntruppen (Alpini) sind Hunde, schießen bis man sie niederhaut, doch das wird dann immer gründlich besorgt.

Mit herzlichen Grüßen u. Küssen Erich.

 


Seine letzte, schwere, Verwundung und Ende seiner Militärlaufbahn:

 

AUS SEINEM TAGEBUCH:
 
28. August 1916. Montag.
Den ganzen Tag heftiges Artill. Feuer. Gegen Abend plötzlich Trommelfeuer aus allen Kalibern und Minenfeuer. Um 5 h nachm. werde ich durch eine 28 cm Minengranate verw.
Fhr. Rainer tot, 3 Inftr. schwer verwundet. Ich liege noch ca. 3/4 Stunden in einer Deckung im Trommelfeuer und während des ganzen Transportes bis Campana wurde ich mit Art. verfolgt. Am selben Tag noch komme ich zur Div. San. Anst. 3. Wetter sehr schön.
 
29. Aug. 1916. Dienstag.
fürchterliche Schmerzen.
 
31. / 8. 1916. Donnerstag.
Es geht besser.
 
1. September, 1916. Freitag.
Weitertransport mit Auto nach Vielgereuth.
 
2. / 9. 1916. Samstag.
Weitertransport mit Auto bis Calliano, von dort mit der Bahn bis Trient. Festungsspital.
 
3. / 9. 1916. Samstag
Weitertransport mit der Bahn bis Innsbruck 9h vorm. Bis 9 h nachm. Sortierungsstation.
 
4. / 9. 1916. Montag
Überführung ins Not Res. Spital. 3 in der Müllerstr. 38.
 
6. September, 1916. Mittwoch.
Vater u. Gretl besuchten mich. Nachher eine kleine Verschlechterung. Die Mutter besuchte mich am 16. 17. u. 18. / 9.
 
21. / 9. 1916.
Ich erhalte Nachricht von meiner abermaligen Auszeichnung mit der großen Silbernen (Spange).
 
28. / 9. 1916.
Einwagonierung nach Salzburg (nachm.).
 
29. / 9. 1916.
Früh Ankunft, Zustand bedeutend verschlechtert. Ich musste noch ca. 4 Wochen liegen, fuhr dann öfters im Rollstuhl nach Hause, Ende Oktober gehe ich schon gestützt vom Burschen aus, meist an der Salzach. Ich erfahre von der Verleihung der o II. cl.
Ich wurde durchschnittlich alle 14 Tage röntgenisiert. Bis Ende Dezember wechselte das Sprengstück immer die Lage, ohne sich jedoch zu senken. Ende Dezember fuhr ich auf 3 Tage nach Wien zum Onkel auf Besuch, der auf Urlaub dort weilt. Besprechung.

SEIN BRIEF vom 6. IX. 1916

Ehrenw. Herrn Andr. Saffert, Förster in Salzburg, Parazelsusstr. 14. / I.

Absender: Lt. Saffert, IR 59, Innsbruck Not Res. Spit. 3, Müllerstr. 38.

Spital, am 6. September, 1916.

Liebste Eltern u. Schwester!

Nun habe ich Muße und Zeit zur Genüge zum Schreiben, aber an Stoff wird es fehlen. Von meiner Verwundung bezw. wie ich sie erhielt, gebs zwar eine Menge zu erzählen, doch das geht mündlich besser. Es ist jegliche Gefahr längst vorüber und da Ihr Euch deshalb absolut keine Sorgen mehr zu machen braucht, so kann ich Euch auch die Art der Verwundung näher beschreiben. Ich war schwer verwundet. Es war bezw. ist weder eine Gewehrkugel noch eine Schrapnellkugel, sondern ein Granatsprengstück, zum Glück kein großes. Der Einschuß ist drei Finger unter der linken Achselhöhle, etwas gegen den Rücken zu, das Geschoß blieb neben dem Herzen stecken. Es ist ein selten glücklicher Schuß. Es ist nicht eine größere Ader in der Lunge verletzt u. ich habe verhältnismäßig wenig geblutet, auch innen nicht. Ich war immer bei vollem Bewußtsein. Durch dieselbe Granate (28 cm Minengranate) wurde noch ein Fähnrich meiner Komp. getötet und noch drei Inftr. schwer verwundet. Damals ging es ärger als in der Hölle zu, doch davon mündlich. Heute werde ich wahrscheinlich röntgenisiert, um den Sitz des Sprengstückes festzustellen.

 
 
DAZU AUS SEINEM BUCH:
 
„Im Jahre 1923 hatte sich mein Zustand so verschlechtert, dass ich auf der Universitätsklinik in München operiert werden musste. Fetzen von Bluse und Hemd, die das Sprengstück mitgerissen hatte, verursachten nach sieben Jahren eine Eiterung. Professor Dr. Sauerbruch, der unerreichte Künstler auf dem Gebiete der Lungenchirurgie, rettete mir das Leben, Ich bin ihm zu immerwährenden Danke verpflichtet. Es war eine seiner schwersten und zugleich von bestem Erfolge begleitete Lungenoperationen. Er hat mir das Sprengstück in Gold gefasst überreicht.“
 
 
Das Sprengstück, ein Teil des Leitwerkes, befindet sich heute noch in Familienbesitz. Die ihm ebenfalls von Prof. Sauerbruch überreichten zwei entfernten Rippen, hat die Familie, mit vielen weiteren Exponaten, der SWGR übergeben. Herzlichen Dank für dieses Vertrauen. Die Rippe zeigt Osteophyten (Ausziehungen). Dies ist also vermutlich die Rippe, die getroffen wurde und deren Splitter in der Erstversorgung entfernt wurden. 
 
Berühmt wurde Prof. Sauerbruch für die Einführung eines Verfahrens, das die operative Öffnung des Brustkorbes erlaubte. Normalerweise bedingt eine Öffnung des Brustraumes, dass sich Luft im Brustfellraum ansammelt und dadurch den dort herrschenden Unterdruck aufhebt: die Lunge fällt zusammen. Mit seinem Lehrer Johann von Mikulicz konstruierte Prof. Sauerbruch 1904 eine große Kammer, in der ein Unterdruck von etwa hundert hPa (ein Zehntel des normalen Luftdrucks) herrschte. Darin konnten Brustoperationen unter Unterdruckverhältnissen stattfinden.
 
Sauerbruch, Ernst Ferdinand
 
Bedeutender Arzt (Chirurg) Geboren am: 03.07.1875 in Barmen Gestorben am: 02.07.1951 in Berlin Ernst   Ferdinand   Sauerbruch   war   einer   der  bekanntesten und führenden deutschen Chirurgen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ernst Ferdinand Sauerbruch studierte in Marburg, Jena und Leipzig Medizin, wo er 1902 promovierte; anschließend ging er nach Kassel, Erfurt und Berlin und war von 1903 bis 1905 in Breslau tätig. Während seiner Assistenzzeit in Breslau wandte sich Sauerbruch unter seinem Lehrer und Förderer Johannes von Mikulicz-Radecki (1850-1905) der Brustraumchirurgie zu - dem Teilgebiet der Chirurgie, auf dem er mit seiner Entwicklung des Druckdifferenzverfahrens Bahnbrechendes leistete. Er war ein geschickter und genialer Operateur der mit seinen zuweilen waghalsigen Operationen vielen Menschen das Leben rettete. Im Jahr 1904 führte Sauerbruch erstmals erfolgreich eine Operation am offenen Thorax (Brustkorb) vor. Für diese Operation benutzte er eine von ihm selber entwickelte Unterdruckkammer.
 
Danach ging er nach Kassel, Erfurt und Berlin. Von 1907 -  1910 war er als Oberarzt und  Privatdozent an der Chirurgischen Universitätsklinik in Marburg beschäftigt. Ab  1908  als  außerordentlicher  Professor.  Seine  Marburger Jahre schildert Sauerbruch ausführlich in dem Buch: "Das war mein Leben". 1911   erhielt   Sauerbruch   einen Lehrstuhl für Chirurgie   an   der   Universität   in   Zürich,   wo   er   sich   bis  1918   der  Thoraxchirurgie  widmete.  Während des ersten Weltkrieges schuf er mit seinen neuartigen, willentlich  beweglichen, künstlichen Gliedmaßen eine erste große Hilfe für die im Krieg verkrüppelten Soldaten. Die nach ihm benannten Gliedmaßen (Sauerbruch Hand,  Sauerbruch-Arm und Sauerbruch-Bein) erregten weltweites Interesse und trugen maßgeblich zu seiner späteren Popularität bei.
 

Von 1918 bis 1927 war Sauerbruch an der Universität München tätig. Hier beschäftigte  er sich vor alle mit der operativen Behandlung von Patienten die an der Lungentuberkulose erkrankt   waren.   Für   diese   Patienten   entwickelte   er  auch spezielle Diätpläne. Von 1928 - 1949 war er Professor für Chirurgie an der Berliner Universität und Direktor der dortigen Chirurgischen Universitätsklinik an der Berliner Charité. Während dieser  Zeit   führte  er seine  kompliziertesten und riskantesten  Operationen durch. Diese Operationen brachten ihm im In- und Ausland grenzenlose Bewunderung und Vertrauen ein. Ferdinand Sauerbruch  starb  1951 in   Berlin. 

 

 

 
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