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DER PASUBIO UND DIE 59er

Auf Grund unserer Forschungen können wir den Tod von vier 59ern am 2.10.17 nachweisen.

Im Ersten Weltkrieg war der Pasubio zweieinhalb Jahre lang Schauplatz blutiger Schlachten zwischen italienischen und österreich-ungarischen Truppen. Von diesen Kämpfen, insbesondere vom Minenkrieg, zeugen noch heute zahlreiche Wegtrassen und Tunnel, die die Soldaten beider Seiten in den Berg sprengten. Das von Norden nach Süden laufende Gipfelmassiv ist immer noch von den Sprengungen entstellt. Dort befinden sich die beiden plateauartigen Gipfel, von denen der nördliche von den Österreichern gehalten wurde („österreichische Platte“, dente austriaco), der südliche von den Italienern („italienische Platte“, dente italiano). Dazwischen lag der so genannte „Eselsrücken“, das Niemandsland in dem tausende Soldaten starben. Deswegen wird der Berg bis heute „Schlachtbank“, „Menschenmühle“ oder „Berg der 10.000 Toten“ genannt.
Ab 1916 begannen beide Seiten, auf systematische Weise, Stollen unter den Eselsrücken zu treiben. Am 13. März 1918 zündeten die Österreicher eine Ladung aus 55 Tonnen Dynamit (die größte im Ersten Weltkrieg eingesetzte Mine) unter der italienischen Platte, konnten die Stellungen der Italiener aber trotzdem nicht einnehmen. Die Kämpfe auf dem Pasubio brachten bis zum Ende des Krieges keiner Seite einen Erfolg ein.
 
Dazu die Berliner Zeitung:
 
PASUBIO. Wer einen Knochen findet, legt ihn auf eines der Häufchen in der alpinen Landschaft der Pasubio-Region. So sammeln sich große Knochen von Pferden und kleinere von Menschen. Dazwischen liegen Metallstücke: gratige Granatsplitter, rostige Gürtelschnallen und Konservendosen, Löffel, Stacheldraht, viel Stacheldraht. Wanderer entdecken diese Zeugnisse des Stellungskrieges zwischen Rovereto und Verona auf Schotterfeldern, in Schluchten, zwischen zersprengten Felsen, in Kratern und Laufgräben. Überall finden sich in der grandiosen Landschaft in über 2 000 Metern Höhe Narben von Hochgebirgsschlachten im Ersten Weltkrieg. 600 Kilometer lang war diese Front, sommers wie winters wurde gekämpft. Auf dem Pasubio lagen sich österreichische und italienische Truppen drei Jahre lang auf Rufweite gegenüber, nur von einem Bergsattel getrennt, auf zwei befestigten Gipfeln: nördlich der "dente austriaco", südlich der "dente italiano". Man beschoss einander mit schwerster, in die Gebirgswelt gezerrter Artillerie - erfolglos. 1916 begann jede Seite, Tunnel unter den Gipfelzahn des anderen zu bohren. Am 13. März 1918 hatten die Österreicher 55 Tonnen Dynamit unter den Alpini platziert, sie kam der Gegenseite nur Stunden zuvor. Der dente italiano zerbarst, unter den Trümmern 485 Soldaten. 38 000 Männer erstickten über die Jahre unter Lawinen, stürzten von Steilhängen, erfroren in Schneestürmen, starben mit Splittern im Schädel oder an Erschöpfung. Am Wanderpfad gibt es eine Gedenkstätte: Auch sie besteht aus Stacheldraht und Knochen. Der Hochgebirgskrieg in den Dolomiten und am Isonzo verschlang Millionen Leben, und er war von unfassbarer Sinnlosigkeit. Er wurde 1915 erfunden und nie wieder kopiert. Geführt wurde er von Generalstäblern. Sie schöpften aus dem Gefühl, Menschen im Überfluss zu haben. Es waren Leute wie Generalmajor Franz Conrad von Hötzendorf, schon als junger Mann blind vor Karrierelust. "Vorwärts, wo immer hin, nur vorwärts", notierte er als Lebensparole. Als Chef des k.u.k. Generalstabs führte er Truppen in zig aussichtslose Gefechte. In seinen Memoiren bewertete er kühl die Religionen auf ihre Kriegstauglichkeit: Das Christentum mit seiner Feindesliebe erschien ihm, ähnlich wie der Buddhismus, als zu weichlich. Gut gefiel ihm der Koran, der vom Gläubigen Kampf fordere. Das Grauen vor solchen Führern ist groß beim Anblick der Knochen vom Pasubio. Am 3. November 1918 war der 1. Weltkrieg zu Ende.
 
Die Sprengung am 2.10.2014 aus „Die Pasubio-Kämpfe 1916 – 1918“ von Schemfil
 
 
Die italienische Sprengung am 2. Oktober 1917 u m 9.20 Uhr. Die Italiener nahmen die Wiederaufnahme der österreichischen Bohrarbeiten sehr bald wahr und fühlten auch, daß ihr Stollen von den Österreichern überholt worden war. Sie hielten daher jede Verzögerung für verhängnisvoll und gefährlich und stapelten, ohne die geplante Minenkammer unter dem Eselsrücken auszubauen, den bereitgestellten Explosivstoff in dem nach ihrer Meinung bereits bis auf 10 m an den Mittelpunkt des Kammes des Eselsrückens herangekommenen Stollen Napoli auf. Die Ladung betrug 16 Tonnen Sprenggelatine. Zur Zündung waren neben einer Knallzündschnurleitung auch zwei elektrische Zündleitungen und zur Verdämmung 9000 Sandsäcke vorgesehen. Während dies alles in fieberhafter Eile vorbereitet wurde, hörten die italienischen Mineure aus den Bohrgeräuschen und den Minierschüssen, daß im österreichischen Stollen unentwegt weitergearbeitet wurde, glaubten nun den richtigen Zeitpunkt für gekommen und zündeten ihre Mine schon am 2. Oktober um 9.20 Uhr vormittags.
 
Die Wirkung war nach ihrer Schilderung eine großartige und zugleich schreckliche. Eine ungeheure Menge von Steinen und Felsstücken wurde gegen die österreichische Platte geschleudert, die bald in dichte Staub- und Gaswolken gehüllt war. Am Fuße des Nordabfalles ihrer Platte hatte sich ein 40 m breiter und 20 m tiefer Krater geöffnet, der einen parallel mit der Längsrichtung des Eselsrückens laufenden österreichischen Stollen freilegte. Ungeheure schwarze Rauchwolken drangen auch auf der rechten Seite der österreichischen Platte aus den dort vermuteten Gängen heraus. Nach der in weitem Umkreis um den Sprengtricher sichtbaren Zerreißung und Zertrümmerung des Felsens und aus dem Umstände, daß sich im Trichter Wasser sammelte, glaubten die Italiener nicht nur den österreichischen Stollen zerstört, sondern auch dessen Fortsetzung für die Zukunft verhindert zu haben. Darin irrten sie aber. Aus dem flachen Trichter und der geringen Tiefenwirkung war zu erkennen, daß die Lage ihrer Minenkammer zu seicht und die Ladung zu stark (überladen) war. Daher wurde nur der Sprengtrichter am 2. 10. 1917, Fliegeraufnahme. Österreichische Sicherungsstollen durch eine innere Verschiebung der Felsschichten auf 9 m verschüttet, der Ellisonstollen blieb vollkommen unversehrt. Nur die Opfer an Menschenleben waren leider recht beträchtlich. Die in den beiden genannten Stollen arbeitenden Mineure verspürten zur Zeit der Explosion der Mine einen starken Stoß und liefen gegen den Stolleneingang. Von dort aus drangen Pionieroffiziere, Pioniere und' Sturmpatruillen in den Stollen ein, um einem vielleicht nach der Sprengung vorstoßenden Gegner entgegenzutreten, Sie kamen auch, da der Ellison- stollen vollkommen klare Luft aufwies und ein Eindringen von Sprenggasen nicht vermuten ließ, sehr rasch vorwärts, brachen jedoch plötzlich zusammen. Kohlenoxyd der Sprenggase dürfte durch den oberen Sicherungsstollen in das sonst unversehrte Stollensystem eingedrungen sein. Zahlreiche sofort einsetzende Rettungsversuche gelangen, viele nicht. Lt- Ing. Nowak konnte den Lt. Ing. Reis, und Kaiserjägerfähnrich Lerchner einen Kameraden und mehrere Mannschaftspersonen retten. Oblt Oberwöger und1 6 Pioniere der Pionierkompagnie 1/2 und Lt Rizzardi mit 9 Jägern des 4. TJR., ferners ein Mann der Horchpatruille des Sappeurbatallions 1/6 erlitten den Erstickungstod. Außerdem waren 10 Offiziere und 40 Mann gaskrank oder verletzt.21) Das Stollensystem war am 3. Oktober um die Mittagszeit noch vergast, am 4. um 18.30 Uhr jedoch bereits soweit entlüftet, daß man vom ,,Dom" aus 74 m weit in den Ellisonstollen vordringen und am 5. Oktober die Arbeit in vollem Umfange wieder aufnehmen konnte. Der Minenkrieg am Pasubio zeigte hinsichtlich der Gaswirkung Erscheinungen, wie sie an anderen Orten nicht festgestellt worden waren. Leicht entflammbare und hochexplosive, giftige Gase bahnten sich ihren Weg durch die Spalten und Klüfte des Gesteins von der Minenkammer weg bis in die Stollen und Kavernen. Mit der frischen Luft in einem bestimmten Verhältnis vermischt, wurden sie durch Stichflammen, glimmende Körper oder durch offenes Licht leicht entzündet. Auch das Anbringen von selbstschließenden Gastüren brachte keine Sicherung. Das todbringende Giftgas war meist CO (Kohlenoxyd), wo von die italienischen Sprengmittel, und zwar Gelatine22) 34 Prozent, Bailistit22) sogar 46.67 Prozent enthielten. Dagegen waren die einfachen Filter, wie Gasmasken, wertlos, nur selbst sauerstofferzeugende Atmungs- oder Rettungsapparate boten Schutz davor. Solche von geschulten und entsprechend ausgerüstetem Personal bediente Apparate waren jedoch erst ab Jänner 1918 genügend vorhanden. Über die genaue Lage der italienischen Minenkammer fehlen Angaben. Doch läßt sie sich bei Vergleich der österreichischen und italienischen Daten einigermaßen feststellen.
 
Die Opfer der Sprengung waren: Lt. Rizzardi der technischen Jägerkompagnie, Utj. Johann Dose, Jäger Karl Ramsauer*, Franz Wundinger**, Josef Freudenthaler, Ferdinand Gattermayer***, Franz Huemer, Johann Neuhauser, Karl Marek, alle der 10. Kompagnie des 4. TJR., Einj.-Freiwilliger Utj. Otto von Ottenthai, J. der 12/4. TJR., Oblt. Oberwöger, Zgsf. Alois Neumüller, Adolf Kirchtag, Pionier Josef Bauer, Josef Vanasek, Alois Mader, Stefan Sinkovicz der Pionierkompagnie 1/2 u. Sappeur Stefan Muzkal der Horch Patruille Sappeurbattaillon 1/6.
 
* Vermutlich ein falscher Vorname laut Sterbebild, oder Namensgleichheit und Ramsauer Franz wurde nicht erwähnt.
 
** Wir gehen davon aus, dass Franz Weidinger gemeint ist.
 
*** Nachname falsch geschrieben.
 
Mindestens vier 59er waren unter den Opfern. Die Zuteilung von 59ern zu den TKJ war nicht unüblich, wie die Liste der Gemeinde Pöndorf zeigt. Trotzdem bleiben diese 59er, als assentierte 59er, beim Stammregiment, was die Sterbebilder auch ausdrücken.

 

 
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