Bleimantelgranaten

 

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Die kurze, zusammenfassende, Geschichte der

Bleimantelgranaten und ihrer Verwendung bei der 12. Isonzoschlacht.

 
Um 1830 bis 1850 arbeiteten alle größeren Industrienationen daran die Reichweite und Zielgenauigkeit der Artillerie zu steigern, indem man den Geschossen beim Abschuss einen Drall gab die sogenannte Drallstabilisierung. Bereits 1856 entschied sich Frankreich zur Entwicklung eines Vorderladers mit gezogenem Rohr, dem System La Hitte. Die Geschosse des 1858 eingeführten 4 Pfünders trugen Warzen zur Drallübertragung.
 
Bis 1870 wurden die meisten der herkömmlichen glattläufigen Geschütze durch solche mit gezogenen Rohren ersetzt. An die Stelle kugelförmiger Geschosse traten zylindrische, in Flugrichtung zugespitzte Geschosskörper, die an Reichweite, Treffsicherheit und Wirkung bedeutend überlegen waren. Die preußische Artillerie-Prüfungskommission bevorzugte das Hinterladersystem und übernahm hierzu die vom schwedischen Baron Wahrendorf entwickelte Bleiummantelung. Das Bleimantel diente dazu, den Verlauf der Züge des Kanonenrohrs beim Abschuss auf die Granate zu übertragen, diese also in Rotation zu versetzen. Außerdem diente das Bleimantel zur Abdichtung der beim Abschuss entstehenden Pulvergase und damit zur Verbesserung der Kraftübertragung auf das Geschoss. Nach umfangreichen Versuchen ab
 
1843 erteilte der damalige Prinzregent und spätere Kaiser Wilhelm I am 7. Mai 
 
1859 den Allerhöchsten Befehl zur Einführung der 9 cm Kanone C/61 mit Kolbenverschluss. Granaten dieses Typs wurden erstmals in den Kriegen 1864, 1866 und 1870–71 eingesetzt. Speziell 1870–71 bewährten sich die preußischen Granaten mit Aufschlagzünder besser als die französischen mit Brennzünder.
 
 
Exponate von der 12. Isonzoschlacht in der SWGR

 

 
Im ersten Weltkrieg waren diese Geschosse und die dazugehörige Artillerie natürlich schon überholt, wurden aber noch von der k.u.k. Armee auslaufend eingesetzt. In einigen Fällen wurden die Geschütze der Modellreihe 15cm M 1861 noch aus dem heutigen Heeresgeschichtlichen Museum im Arsenal geholt um sie einzusetzen. Auch bei der zwölften Isonzoschlacht wurden Bleimantelgranaten verschossen und die Reste dieser Granaten finden sich von Tolmin bis Sela pri Volčah. Eine dieser Granaten wurde unverschossen aufgefunden und steht heute im Museum von Kobarid.
 
 
Nachweislich schlugen Bleimantelgranaten des Kalibers 15cm bei Jiginj und am Mrzli Vrh, der Mengore und Sela pri Volčah ein.
 
Exponate der Festung Przemysl in der SWGR
 
 
Wegen der verkehrswichtigen Lage von Przemyśl wurde um die Stadt ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Österreich-Ungarn einer der größten Festungskomplexe bis zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges gebaut. Der Komplex bestand aus einem 45 Kilometer langen Festungsgürtel mit mehreren Dutzend Forts, die ihrerseits mit Wällen verbunden waren.
 
Während der russischen Offensive nach Galizien besiegte General Nikolai Iwanow in der Schlacht von Lemberg die Österreicher unter Conrad von Hötzendorf und die ganze Front verschob sich 100 Kilometer weiter westlich in die Karpaten. Die Festung Przemyśl war der einzige österreichische Stützpunkt, der dem russischen Vormarsch standhielt und am 28. September komplett hinter den russischen Linien blieb. Die Russen waren in der Lage, das deutsche Industriegebiet Schlesien zu bedrohen, sobald Przemyśl im Frontrücken ausgeschaltet werden würde. Daher war die Verteidigung der Festung sowohl für die Österreicher als auch für die Deutschen von großer Bedeutung. Die Belagerung von
 
Przemyśl war die größte Belagerung des Ersten Weltkriegs und eine schwere Niederlage für Österreich-Ungarn. Eine erste Einschließung durch russische Streitkräfte erfolgte vom 24. September 1914 bis zum 11. Oktober. Am 9. November begann ein zweiter Belagerungsversuch, der 133 Tage andauerte. Die noch aus 110.000 Soldaten bestehende österreichischeGarnison kapitulierte am 22. März 1915 und ging in russische Gefangenschaft. Przemyśl befand sich bis zum Sommer 1915 in russischer Hand, als der deutsch-österreichische Sieg in der Schlacht von Gorlice-Tarnów die Front nach Galizien verschob.
 
Die Festungsartillerie feuerte Probeschüsse ab, die der Zielgenauigkeit im Kriegsfalle dienten. Viele dieser Geschosse waren Übgeschosse, die mit Ersatzmaterial statt Sprengstoff gefüllt waren.
 
 
Exponate vom Kanonenwerk Gusswerk in der SWGR

 

 

Gußwerk war auf Grund seiner geographischen Lage ein bedeutender Waffenproduzent für die k. u. k. Artillerie, in dem das Waldeisen aus der Gegend um den Seeberg in modernen Flossöfen zu Gusseisen 37 verarbeitet wurde. Der Aufschwung von Gußwerk hatte während der Gegenreformation eine Stagnation erfahren, da der Landesherr seine Monopolwirtschaft im Widmungsgebiet der Eisenwurzen nicht gefährden wollte und sowohl Vordernberger als auch Innerberger Betriebe argwöhnisch die Aktivitäten in Gusswerk verfolgten.

 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Werk sich so weit erholt, dass man die Produktion von Kanonenrohren in Angriff nehmen konnte, wofür man äußerst zähes Gusseisen benötigte. Um 1771 waren bereits 200 Personen im Werk beschäftigt und der neue Verwalter, Ignaz von Reichenberg, machte die Fabrik zu einem Musterbetrieb. Die Übernahme durch das k.k. Montanärar im Jahr 1800 sicherte den Produktionsstandort Gußwerk und gewährleistete einen Anteil von 52 Prozent an der österreichischen Gusseisenproduktion.

 

Die in Gußwerk erzeugten Kanonen konnten auf Grund ihrer hervorragenden Eisenqualität mit höheren Treibladungen größere Reichweiten erzielen, sodass Treffsicherheiten bis 1300 m gegeben waren. Das Einsatzgebiet der Kanonen waren die Küsenbatterien an der Adria. Sie wurden auch als Belagerungskanonen verwendet.

 

Erst 1875 führten der Entschluss der Militärverwaltung, keine gegossenen Kanonenrohre mehr einzusetzen, und die bekannten Verkehrs- und Transportprobleme in den engen Gebirgstälern der gesamten Eisenwurzen-Region zum allmählichen Niedergang, der 1899 mit der Schließung des Werkes besiegelt wurde.

 

Eine Rückholung von 2 Kanonen nach Gußwerk erfolgte im Jahr 1995. Kanonen waren eines der Haupterzeugnisse des Eisengusswerkes und so von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die beiden im Kanonenpark in Gußwerk aufgestellten Kanonen wurden 1859 im Eisengusswerk gegossen. Die Lafetten wurden maßstabgetreu dem im Heeresarsenal Wien ausgestellten Unikat nachgebaut.

 
Das Werk feuerte Probeschüsse ab, die der Erprobung der Waffen dienten. Viele dieser Geschosse waren Übgeschosse, die mit Ersatzmaterial statt Sprengstoff gefüllt waren.