Als Musketenpatrouillen

 

 

bezeichnete man Einheiten, die mit dem dänischen leichten Maschinengewehr Madsen ausgerüstet waren. Als Verschleierungsmaßnahme erging am 1.7.15 an die G.P.K. die Verfügung des Kriegsministeriums: „Es liegt Veranlassung vor, die Madsen - Gewehre künftig „Musketen“ zu nennen. . .

 

 

Das erste Foto zeigt einen Planausschnitt aus dem Bereich der Marmolada.Dem Kampfbereich von Infantrist Höller des IR 59, Tel.Abt. Der komplette Plan und Fotos sind im Archiv des SWGR.

 

Das zweite Foto zeigt die Musketeneinheit des II./59, ausgerüstet mit 2 MG Madsen. Die Beschriftung erfolgte durch den Regimentskommandanten Albori. Zu sehen ist eine typische Einheit, 2 mal 4 Mann mit einem Unteroffizier. Die MG sind klar zu identifizieren. Von Bedeutung, auch die deutschen Truppen verwendeten den selben Tarnnamen.

 

Aus dem Tagebuch von Schad ( auf unserer Seite zu lesen unter Geschichte - ab 1914 - Tagebuch Schad ) schreibt dieser am 3. November 1917: "Die Stände bei den einzelnen Abteilungen des Regimentes waren infolge der Kämpfe und der Strapazen der letzten Tage stark gesunken. So zählte die Sturmkompanie 70, das I. Bataillon (Hptm. Ontl) 374, das II. Bataillon ( Obstlt. Schad) 449, das IV. Bataillon (Hptm. Tillich) 468 Gewehre. An Nahkampfmitteln standen dem Regiment nur mehr 19 Maschinengewehre, 7 Musketen, 2 Infanterie Geschütze, 3 kleine Granatwerfer und 3 Minenwerfer zur Verfügung"


Das leichte Maschinengewehr Madsen


Produktionszeit: 1903 bis 1955
Gesamtlänge: 1145 mm
Gewicht: (ungeladen) 9 kg
Lauflänge: 585 mm
Kaliber: verschiedene (8 mm Mauser und 6,5 × 55 mm Mauser am häufigsten)
Mögliche Magazinfüllungen: 25, 30 oder 40 Patronen
Munitionszufuhr: gebogenes Kastenmagazin
Kadenz: 450 Schuss/min
Anzahl Züge: 4
Drall: rechts

 

Das Madsen war ein leichtes Maschinengewehr, dessen Funktionsprinzip 1899 vom Direktor der Königlichen Militärwaffenfabrik in Kopenhagen, Julius A. Rasmussen, patentiert wurde. Die Firma Dansk Rekylriffel Syndikat fabrizierte eine von Theodor Schoubue verbesserte Variante, die 1903 von Herman Oluf Madsen, dänischer Kriegsminister und Hauptmann der Artillerie, in der dänischen Armee eingeführt wurde. Die Waffe gilt als eines der ersten leichten Maschinengewehre, das in großen Stückzahlen gefertigt wurde. Der Mechanismus war einzigartig. Im Grunde basierte er auf einer automatischen Variante des Verschlusses des Martini-Henry-Gewehrs.

 

Die Waffe ist ein zuschießender Rückstoßlader mit langem Rohrrücklauf. Im Waffengehäuse befindet sich ein aus dem Lauf, dem Verschlussgehäuse und dem Verschluss bestehendes Martini-System, das durch den Rückstoß zurückläuft und durch die Vorholfeder wieder nach vorn gebracht wird. Der Verschluss kann nach oben und unten schwenken. Er wird beim Rücklauf durch eine am Waffengehäuse angebrachte Kulisse nach oben geschwenkt. Dabei tritt der Auswerfer in Funktion und wirft die Patronenhülse nach unten aus.

Im Vorlauf des Systems wird der Verschluss nach unten geschwenkt und ein Zubringerhebel schiebt die nächste Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager. In der letzten Phase des Vorlaufes schwenkt der Verschluss in die Mittelstellung hinter dem Patronenlager und ein innenliegender Hahn löst den Schuss über einen Zündstift aus.

 

Die kaiserlich russische Armee kaufte 1250 Exemplare des Madsen-LMGs, die während des Russisch-Japanischen Krieges zum Einsatz kamen. 1914 wurde das Madsen von Infanteriekompanien, Gebirgsjägereinheiten und später auch von Sturmtruppen der deutschen Armee vornehmlich in der Defensive eingesetzt. Dabei benutzte das deutsche Heer das Kaliber 8 mm Mauser, da die Patrone besser verfügbar war als die ursprüngliche Munition (6,5 × 55 mm Mauser). Die Herstellung des Madsens war zwar aufwändig, es war jedoch auch für seine Zuverlässigkeit bekannt. Während des Ersten Weltkrieges und noch danach wurde es an 34 Staaten in zwölf verschiedenen Kalibern verkauft.

 

Deutsche und k.u.k. Musketen-Truppenteile im Weltkriege.

 

Nach meinen Kriegserinnerungen und nach Aktenauszügen aus dem Archiv.
W. E c k a r d t, Oberstleutnant a. D.

 

Eine Besprechung der im Weltkriege aufgestellten Musketen-Truppenteile im deutschen Heere erfordert, zunächst ein Eingehen auf die Waffe selbst, die diesen Formationen ihren Namen gegeben hat Diese Waffe ist das als Madsen-Gewehr allgemein bekannte leichte M.G., eine ursprünglich dänische Konstruktion. Von unsern Gegnern im Weltkriege war es bereits vordem bei den Russen eingeführt und gehörte dort zur Bewaffnung bei der Kavallerie. . .
. . . Nach dem Kriege finden wir Madsen-Gewehre in der Ausrüstung verschiedener Staaten. Es seien erwähnt, Dänemark, Norwegen. Holland, Spanien, einige süd- und mittelamerikanische Staaten, China. Wie gesagt, das Madsen-Gewehr ist ein leichtes M. G. leichtester Art. Das Gewicht schwankt bei den verschiedenen Modellen zwischen 7,0 und 7,4 Kilogramm.

 

Die Waffe ist Rückstoßlader mit beweglichem Lauf und verriegeltem Blockverschluß. Der nach dem Schuß infolge des Rückstoßes zurückgleitende Lauf entriegelt den Verschluß, worauf der Selbstlademechanismus arbeitet. Das Patronenmagazin für 23 Patronen in Form einer hornartig gebogenen Blechkassette wird oberhalb der Waffe an der Stelle der Verschlußöffnung aufgesteckt und gibt seine Patronen, sie von oben nach unten führend, in die Waffe ab.

 

Die Waffe ist, ihrem Charakter als leichtes M. G. entsprechend, eingerichtet zur Abgabe von Reihenfeuer, d. h. von Maschinenfeuer in selbsttätiger ununterbrochener Schußfolge, solange der Schütze den Abzug zurückgezogen hält. Die Reihen dieses Maschinenfeuers sind natürlich nur sehr kurz, denn wenn die 25 Patronen des Magazins verfeuert sind, hat die Reihe ein Ende. Der Schütze muß das leere Magazin gegen ein volles auswechseln. Da bei dieser Feuerart mit einer Schußfolge von etwa 10 Schuß in der Sekunde die Waffe dem Schützen durchgeht, d. h. sieh nicht richtungsfest auf das Ziel halten läßt, so bleiben die Treffergebnisse weit hinter dem zurück, was der Laie meist in Anbetracht des Munitionsaufwandes und des maschinenmäßigen Geknatters der Waffe sich verspricht. Ein gut ausgebildeter Schütze vermag die Treffergebnisse dadurch zu verbessern, daß er die Reihe von 25 Schüssen, bei der die Waffe ihm mehr oder minder wild durchgeht auflöst in eine Anzahl kurzer Feuerstöße von vielleicht 3—5 Schuß, indem er den zum Schuß zurückgezogenen Abzug rasch wieder losläßt. So kann er mit einem sogenannten "Spritzfeuer" arbeiten, bei dem vor jedem neuen kurzem Feuerstoß die Waffe wieder auf das Ziel eingerichtet werden, oder auch auf ein anderes Ziel übergeleitet werden kann, ohne bei diesem Überlenken sinn- und zwecklos den Zwischenraum mit einer Zahl von Geschossen zu bestreuen, die einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz der Gesamtzahl der ganzen Reihe ausmachen. Entsprechend der Annäherung der Waffe an das Prinzip des Selbstladegewehrs läßt sie auch die Abgabe von Einzelfeuer zu. Eine besondere Vorrichtung ermöglicht es, die selbsttätige Schubfolge im Maschinenfeuer abzustellen. Es fällt dann beim Betätigen des Abzuges durch den Schützen jedesmal nur ein Schuß. Die Waffe arbeitet nach dem Schub selbstladend, aber nicht mehr selbstfeuernd. Zur Abgabe des nächsten Schusses muß der Schütze den abkrümmenden Zeigefinger wieder strecken und dann erneut abziehen. Die Feuergeschwindigkeit wird dabei ganz eine Funktion des bewußten und gewollten Zielens und kann sich der Entfernung, Größe und Dichtigkeit der Ziele anpassen. Unter sehr günstigen Umständen können mit dieser Feuerart in einer Minute etwa 45 Schuß verschossen werden. Das bedeutet gegenüber den als Armeegewehre allgemein üblichen Handladern eine Steigerung der äußersten Feuergeschwindigkeit von 15 auf 45 Schuß in der Minute. Zahlen, die aber nur für ganz kurze Momente Geltung haben. Die Erfolge dieser Feuerart sind gegenüber dem Reihenfeuer besser. Es werden - gleiche Ziele vorausgesetzt- in derselben Zeit mit weniger Patronen mehr Treffer erreicht, Es ist nun einmal ein Erfahrungssatz, der sich nicht wegdisputieren läßt: Wenn ein leichtes M. G. gar zu leicht gebaut ist, so daß seine Treffergebnisse im Reihenfeuer allzu stark herabsinken, so wird bald die Grenze erreicht, wo man sagen muß, jetzt rechtfertigt die Waffe durch ihre Wirkung nicht mehr ihren Charakter als Kollektivwaffe, d. h. als Waffe, zu deren Bedienung, Transport und Munitionsversorgung mehrere Mann erforderlich sind. . . .

 

. . . Im Sommer 1915 konnte die Gewehr-Prüfungskommission (G.P.K.) dem Kriegsministerium melden, dass die Madsen-Gewehre zur Kriegsverwendung bereit ständen.


k.u.k. 90. Infant.Trp.Dions-Kommando
Op.Nr.156/9
Musketenpatrouillen.

 

An
das k.u.k. 55. Gebirgs - Brigade - Kommando
Feldpost 613, am 26. Oktober 1915. Feldpost 615
Das L.V.K. hat mit Op.Nr. 1918/90 bezüglich Organisation von M 15 Musketenpatrouillen anher eröffnet:

I.

1. Organisation: ist der Beilage zu entnehmen.

2. Verwendung und Zweck der Patrouillen: Den Skiabteilungen angegliedert, sollen diese Patrouillen nicht nur deren Feuerkraft wesentlich erhöhen, sondern vor allem von Punkten Maschinengewehrfeuer vortäuschen, wo der Feind es nicht vermutet bezw. erwartet.

3. Bezüglich Feuerarten gibt Pkt.6 der jeder Musketenpatrouille mitgegebenen Instruktion Anhaltspunkte und wird insbesonders zur Vermeidung von Munitionsverschwendung auf Nachstehendes hingewiesen:
„Das auf höchste Geschwindigkeit gesteigerte Einzelfeuer soll die Hauptfeuerart der Waffe sein; hiebei werden in derselben Zeit mit weniger Patronen mehr Treffer erzielt, als beim Reihenfeuer.“

4. Instandhaltung der Muskete.
Die durchgeführten Schießübungen haben ergeben, daß bei sorgsamer Behandlung und Instandhaltung der Waffe und Munition, insbesonders bei Vermeidung jeder Verschmutzung der Patronen durch Sand nur ganz geringe - sofort behebbare Störungen - hie und da eintreten, welche jedoch die Verwendung der Muskete im Einzelschuß nicht behindern.

II.

1.Von den zur Verfügung stehenden Musketenpatrouillen (á 4 Mann) erhält der Subrayon IV gegenwärtig eine Patrouille, welche der 55.Gebirgs-Brigade zugewiesen wird. Die Ergänzung dieser 4 Mann auf eine komplette Patrouille incl. Beistellung von 2 Tragtieren obliegt dem 55. Gebirgs-Brigade-Kommando. In der Folge erhält der Subrayon IV noch weitere 6 Patrouillen. Den Patrouillenkommandanten ist Zeit und Gelegenheit zu geben, die Ergänzungsmannschaft entsprechend zu schulen. Sodann sind die Musketenpatrouillen je einer Skiabteilung zuzuteilen.

2. Die 1. Musketenpatrouille hat am 28.10. vom Ers. Baon. Tir. Jägerrgt. 1 abzugehen: dem Subrayon IV sind die von ihm ad Op.Nr.1465/107 kommandierten Leute vom Ers.Baon.T.J.Rgt.1 zuzusenden.
Die Tragtiersattel samt Improvisationen zum Verpacken der Musketen sind mitzugeben. Die notwendigen Stutzen (Karabiner) hat Oblt.LIEBER beim AZD. Inssbruck zu fassen.

3. Über die bei Verwendung der Musketenpatrouillen gemachten Erfahrungen hat das 55.Gebirgs-Brigade-Kommando der Division bis 25. November zu berichten und eventuelle Anträge bezüglich Organisation der Patrouillen etc. zu stellen.

III.

Das L.V.K. wird beim Ers.Baon.Tir.Jg.Rgt.1 in Innsbruck für den Subrayon IV, wie erwähnt, weitere 6 Musketenpatrouillen aufstellen.
Instruktor und Kommandant Oblt. LIEBER.
Hiezu haben beizustellen an Mannschaft und zwar pro Patrouille 1 Unteroffizier und
8 Mann:
die 55.Geb.Brig. für 2 Patren 2 Unteroffz. 16 Mann
die 58. Inft.Brig. für 2 Patren 2 Unteroffz. 16 Mann
die 179.Inft.Brig.für 2 Patren 2 Unteroffz. 16 Mann
Summe: für 6 Patren 6 Unteroffz. 48 Mann

Die Unteroffiziere und die Mannschaft müssen unbedingt Alpinisten, sehr gute Skiläufer und sehr gute Schützen sein.
Je besser die Mannschaft diesen Bedingungen entspricht, desto früher werden die Musketenpatrouillen formiert sein und den Brigaden zur Verfügung stehen.
Von den Brig.Kdos ist eine Nominalkonsignation über die bestimmte Mannschaft dem Dions-Kmdo bis 30.10., an welchem Tage, 12 Uhr mittags, die Mannschaft in Predazzo einzutreffen hat zu übersenden.
Die Mannschaft ist in voller Ausrüstung und Bewaffnung abzugeben und wird in Predazzo von Oblt. BRAUN der 90 J.T.D. übernommen, sodann an das Ers.Baon.Jg.Rgt.1 abgesendet.
Ergeht an die drei Brigade-Kommandos.
1 Blge.

 

Die Munition:

 

Das ö –u. Heer benutzte das Kaliber 8 mm Mauser, da die Patrone besser verfügbar war als die ursprüngliche Munition (6,5 × 55 mm Mauser).

 

Die Patrone 7,92 × 57 mm, auch als 8 × 57 IS „Infanterie Spitz“ bekannt, war die Standard-Gewehrpatrone des deutschen Militärs während der beiden Weltkriege. Sie ist als jagdliche Patrone nach wie vor im Gebrauch. Unterschieden wird sie von der 8 × 57 I durch einen 1/10 mm größeren Geschossdurchmesser, der durch eine schwarz lackierte Ringfuge am Zündhütchen gekennzeichnet ist. Sie ersetzte 1904/1905 die Patrone M/88 (8 × 57 I „Infanterie“) mit Vollmantel-Rundkopfgeschoss.

 

Die Entwicklung[1] der Gewehrpatrone 7,92 × 57 mm wurde ab 1887 von der deutschen Heeresleitung in Auftrag gegeben. Frankreich hatte 1886 die erste raucharme Gewehrmunition für Nitrozellulosepulver zur Ordonnanz erklärt. Infolgedessen fürchtete das Deutsche Reich, ins Hintertreffen zu geraten. Später folgten dann auch andere Staaten diesen Vorbildern. Österreich und Portugal hatten bereits ab 1886 Schwarzpulvergewehre für das Kaliber 8 mm (8 × 50 R und 8 × 60 R Kropatschek), daher lag es nahe, dieses moderne Kaliber zu übernehmen. Bis 1888 war im deutschen Heer noch der Repetierer Modell 1871/84 mit seiner veralteten Munition im Kaliber 11 mm im Einsatz. Die alte Mauser-Patrone 11,15 × 60 R verfügte noch über eine Schwarzpulverladung, während nunmehr mit der Erfindung des rauchlosen Schießpulvers viel kompaktere und vor allem rasantere Gewehrmunition zur Verfügung stand. Durch die mehr als einhundertjährige weltweite Einsatzzeit dieser Patrone sind zahlreiche Varianten für verschiedene Aufgabenstellungen entstanden.[2] [3] Die genaueren Zusatzbezeichnungen dieser knapp einhundert Varianten wurden von Munitionssammlern durch XCR-Codes im Bereich von 08-057-BBC-000 bis 08-057-BBC-999 erfaßt.

 

Bereits 1888 als Patrone M/88 (8 × 57 I „Infanterie“) für das Gewehr 88 auf den Markt gebracht und fast gleichzeitig als Jagdpatrone übernommen, war die Patrone ursprünglich mit einem Geschoss kleineren Durchmessers verladen. Das anfängliche Rundkopfgeschoss übernahm man für das Gewehr 98 vom Gewehr 88, da Preußen sich mit der Forderung durchsetzte, die alten Patronen 88 weiterhin zu verwenden. Der Auftrag für das Gewehr 98 schließlich ging an die Firma Mauser, sie sollte ein modernes Infanteriegewehr und die zugehörige Munition entwickeln. Das 14,7-g-Vollmantel-Rundkopfgeschoss wurde in den Jahren 1904–1905 durch das im Durchmesser größere 10,2-g-Spitzgeschoss ersetzt. Die von Anfang an vorhandenen Laufmaße 7,90/8,10 mm (ab 1894/95: 7,90/8,20) hatten sich als nicht günstig für das alte – in kombinierter Stauch-Press-Führung geführte – Geschoss erwiesen. Der vergrößerte Geschossdurchmesser verbesserte die Genauigkeit und erhöhte die Lauflebensdauer.


Da 1888 zunächst das kleinere Kaliber eingeführt war und sehr bald Jagdwaffen dafür entwickelt worden waren, bestanden ab 1905 zwei sehr ähnliche Kaliber nebeneinander, die aber nicht willkürlich getauscht werden dürfen. Zwar kann man aus dem Lauf für die 8 ×57-IS-Patronen für 8 × 57 I verschießen, jedoch aus dem Lauf mit dem geringeren Zugmaß nicht das größere Kaliber 8 × 57 IS, da dies zu einer Laufsprengung führen kann.

 

Die Muskete:

 

Die Muskete (englisch musket, französisch mousquet; eigentlich Sperber, in Anlehnung an die Form des Hahnes) ist ein schweres, langes Vorderladergewehr mit glattem (zuglosen) Lauf.

Die Muskete löste ab Ende des 16. Jahrhunderts schrittweise die Arkebuse als Infanteriewaffe ab und wurde im 18. Jahrhundert zur Hauptwaffe der Fußtruppen („Musketiere“). Von der Arkebuse unterscheidet sich die Muskete hauptsächlich durch die größere Länge, die dem Geschoss eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und dadurch gesteigerte Reichweite und Durchschlagskraft verlieh. Oft war auch das Kaliber größer, welches damals jedoch noch nicht genormt war und auch bei Arkebusen beachtlich sein konnte. Höherwertige Musketen wurden im 17. Jahrhundert auch mit einem Radschloss versehen. Bei den meisten erhaltenen Musketen aus der Zeit vor 1700 handelt es sich um kostbare Jagdwaffen mit dieser Art von Zündung (z. B. in den Rüstkammern zu Dresden, Wien oder Madrid).
Nach Einführung des Steinschlosses Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Name Flinte – wegen des zur Zündung statt der Lunte verwendeten Feuersteins (Flint) – gebräuchlich.
Die ersten modernen Massenfertigungen von Musketen wurden wesentlich durch die Bestimmungen des englischen Board of Ordnance und wenig später von dem Franzosen Honoré Le Blanc und dem Amerikaner Eli Whitney eingeführt.

Im englischen Sprachraum hielt sich die Bezeichnung musket für ein langes, großkalibriges Vorderladergewehr mit glattem und sogar mit gezogenem Lauf (rifled musket) bis zum 19. Jahrhundert (Musket Springfield 1855 in den USA und Enfield Rifled Musket in Großbritannien). Noch im Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland den Musketier als niedrigsten Rang des Heeres, obwohl seine Waffen mit gezogenem Lauf ausgestattet waren.

Für einen Schuss wurde die Waffe mit Schwarzpulver, dem kugelförmigen Projektil und anfänglich mit einem Schusspflaster geladen und das Ganze mit dem Ladestock festgestopft. Der Ladestock wurde meist in einer Scheide unter dem Lauf mitgeführt. Wegen der starken Schmutzablagerungen des verwendeten Schwarzpulvers musste die Kugel kleiner sein als der Innendurchmesser des Laufes, damit sie in diesen hineinrollen konnte. Im Gefecht verzichtete man auf das Pflaster, da man so schneller schießen konnte. Man ließ die Kugel einfach in den Lauf fallen.
Am hinteren Ende des Laufes war außen eine Zündpfanne angebracht, welche durch eine Bohrung mit dem Innern des Laufes verbunden war. Auf die Zündpfanne schüttete man ca. 1 Grain (= 0,0648 Gramm) fein gemahlenes Schwarzpulver (sogenanntes Zündkraut). Das Zündkraut wurde beim Schuss mit einer brennenden Lunte entzündet, bei den späteren Modellen mit Steinschloss übernahm dies ein Feuerstein. Die Flamme des verbrennenden Zündkrautes schlägt durch die Bohrung im Lauf bis zur Treibladung aus Schwarzpulver (je nach Kaliber bis zu 160 Grain) und zündet diese. Durch die expandierenden Gase wird die Kugel aus dem Lauf getrieben.
Da eine Muskete ursprünglich bis zu 15 kg wog und man deswegen nicht freihändig schießen konnte, stützte man sie beim Feuern auf die Gabel des „Gabelstocks“. In späterer Zeit wurden die Waffen leichter, so dass sich die Verwendung einer Gabel im Laufe des 17. Jahrhunderts erübrigte.

Seit 1500 hatte sich in den europäischen Armeen die Verwendung von Handfeuerwaffen verbreitet. Es handelte sich dabei im Feldgebrauch überwiegend um Halbhaken oder Arkebusen. Die Schützen mussten auf Grund der geringen Feuerrate noch durch Pikeniere gegen die Kavallerie gedeckt werden. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verbreiteten sich zum besseren Schutz vor Waffenwirkung der Feuerwaffen sogenannte „schussfreie“ Brustharnische, Helme und Tartschen, die eine höhere Durchschlagskraft erforderlich machten. Dieses führte zur feldmäßigen Verwendung von schweren Doppelhaken oder Musketen, deren Gebrauch sich vorher auf den Festungskrieg beschränkt hatte.
Die Musketiere bildeten anfangs nur einen kleinen Teil der Schützen. Ihre Zahl wuchs jedoch mit der Zeit. Nach der spanischen Ordonnanz von 1638 sollten die Musketiere ein Drittel der Schützen betragen und sich an den beiden äußeren Enden der Schlachtformation aufstellen. Die Pikeniere bildeten die Mitte und sollten ein (weiteres) Drittel der Gesamtstärke betragen. Diese Zahlen waren jedoch nur theoretisch und wurden selten eingehalten. Ein Musketier sollte nach dieser Ordonnanz 6 spanische Escudos im Monat erhalten, ein Arkebusier 5, ein Pikenier 3. In anderen Armeen war es ähnlich.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm der Anteil von Arkebusieren rapide ab. Im Dreißigjährigen Krieg war die Arkebuse praktisch nur noch als Bandelierarkebuse oder Karabiner als Reiterwaffe zu finden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Musketen (zuerst bei den Schweden) auch leichter, der Gabelstock fiel weg, das Kaliber verringerte sich und die Waffe war jetzt eher leichter als frühere Arkebusen. Dennoch setzte sich die Bezeichnung Muskete durch. Bis 1700 waren auf den Schlachtfeldern keine Pikeniere zur Deckung mehr zu finden, die Erfindung des Bajonetts hatte sie überflüssig gemacht.

Aufgrund des glatten Laufes und der Kugelform des Geschosses ist die Treffgenauigkeit bei Entfernungen von über 100 m vergleichsweise gering. Durch die militärisch eingesetzte Rollkugel – die zum leichteren Laden kleiner als der Laufdurchmesser ist und nicht geführt wird – wurde diese nochmals herabgesetzt. Man hoffte, durch eine hohe Anzahl an Schützen dennoch die erforderliche Wirkung zu erzielen. John Churchill, Duke of Marlborough, entwickelte die Taktik, die feindlichen Truppen auf ca. 75 Meter herankommen zu lassen, um dann die gewünschte Wirkung durch Massenfeuer zu erreichen. Von der Infanterie Friedrichs des Großen ist bekannt, dass sich die Kompanien im Feuer abwechselten, um das Musketenfeuer stets aufrechtzuerhalten, es feuerte zunächst die erste Kompanie, dann die dritte (während die erste wieder lud), danach die zweite (während die erste den Ladestock wieder an den Ort brachte), zuletzt die vierte, wonach sofort die erste Kompanie wieder anlegen konnte.

Da die Ladezeit von so eminenter Bedeutung war, führte beispielsweise Preußen eine Muskete mit konischem Zündloch ein, damit das Aufbringen des Zündkrautes auf die Pfanne entfallen konnte.

Bei Untersuchungen von gut dokumentierten Schlachten zwischen England und Frankreich unter Napoleon, zum Beispiel in Spanien, wurde ermittelt, dass im Normalfall nur 5–7 % aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel hatten. Daher kam man zu dem Schluss, dass nur eine Steigerung der Feuergeschwindigkeit im Gefecht Vorteile bringen würde. Unter idealen Bedingungen ermittelte Trefferquoten waren:

75 m – 60 % Treffer
150 m – 40 % Treffer
225 m – 25 % Treffer
300 m – 20 % Treffer

Das Ziel hatte eine Höhe von 1,88 m bei einer Breite von 31,4 m. Dies entsprach in etwa einem in Linientaktik kämpfenden gegnerischen Infanterieregiment. Auf jede Entfernung wurden 200 Schuss abgefeuert.[1]
Stress und Sichtbehinderung, sich bewegende Ziele, das Fehlen von Visiereinrichtungen sowie manchmal mangelnde Ausbildung erklären die niedrigen Erfolgszahlen in den Schlachten. Ungeachtet dessen bedeuteten 10.000 abgegebene Schüsse rund 500 bis 700 Tote und Verwundete.

Weil die Genauigkeit bei Entfernungen von über 100 m rapide abnahm, war es zwingend nötig, möglichst viele Musketen gleichzeitig zum Einsatz zu bringen. Im 18. Jahrhundert wurde dies über lange, zweigliedrige Aufstellungen (Linienformationen) erreicht, in denen fast alle Soldaten gleichzeitig schießen konnten. Das setzte einen sehr hohen Grad an Disziplin und Ausbildung voraus. Mit der französischen Revolution lösten die Freiwilligen- und Wehrpflichtigenheere die länger dienenden Berufssoldaten ab und der entsprechende Drill war nicht mehr möglich oder erwünscht. Nur die britische Armee, die weiterhin aus Berufssoldaten und Söldnern bestand, verwendete die Lineartaktik weiter.

Die Franzosen setzten dagegen auf tief gestaffelte Kolonnen, in denen die vordere Reihe immer wieder von dahinter stehenden aufgefüllt wurde und so eine gleichbleibende Zahl von Musketen in Einsatz gebracht werden konnte. Die Feuerkraft war zwar geringer als bei der Linearformation, der Zusammenhalt und die Kräftekonzentration im Nahkampf jedoch erheblich größer. Napoleon und seine Generäle setzten deshalb auch mehr auf direkte Konfrontation mit dem Bajonett nach einer artilleristischen Vorbereitung als auf einen ausgedehnten Feuerkampf der Infanterie. Die von Napoleon mehrfach besiegten Gegner Preußen, Österreich und Russland kopierten weitgehend das französische Modell und kamen von der Linientaktik ab. Diese wurde zuletzt nur noch von den Briten und den nach deren Vorbild aufgestellten portugiesischen und spanischen Truppen verwendet.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts blieben große Truppenkontingente, die sich in Schlachten gegenüberstanden, auch die bestimmende Haupttaktik. Die Verbreitung von gezogenen Vorderladern (System Minié und Lorenz) erhöhte um die Jahrhundertmitte erheblich die Reichweiten. So konnten nun Massenziele bis auf 1000 Schritt effektiv bekämpft werden, während das bei glatten Vorderladern höchstens bis auf 300 Schritt möglich war.[2] Die Einführung von Hinterladern (preußisches Zündnadelgewehr ab 1848 und andere Systeme ab 1860) und schließlich von Repetiergewehren ab 1870 erhöhte Reichweite und Feuergeschwindigkeit derart, dass der Einsatz massierter Infanterieformationen zu extremen Verlusten führte.

Die Einführung gezogener Vorder- und Hinterlader erfolgte jedoch nur zögerlich. Im Krimkrieg 1853-56 waren die russischen Einheiten noch mit glatten Musketen ausgestattet, während Briten und Franzosen über gezogene Gewehre verfügten. 1870-71 (Deutsch-Französischer Krieg) wurden an Reserve- und Milizeinheiten noch teilweise glatte Vorderlader ausgegeben, in Kleinkriegen in Übersee sogar noch später.

Die eindeutigen Lehren aus den Einigungskriegen, dem Amerikanischen Bürgerkrieg, dem Burenkrieg und dem Russisch-Japanischen Krieg setzten sich jedoch sehr langsam durch und noch zu Beginn des ersten Weltkrieges fanden massierte Infanterieangriffe in Linien- oder Kolonnenformation statt.

Teilweise übernommen aus: www.heeresgeschichten.at und wikepedia.