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Regimentsforschungsfahrt 2012 – Slowenien

Ziele:

Besichtigung Kolovrat
Suchen und Bergen von Funden im Bereich Sela pri Volčah
Militariamesse Sempeter, Kontaktpflege

Teilnehmer und Leitung:
Otto Peter Lang ( Leiter der Forschungsabteilung des SWGR )
Mitglieder und Freunde der SWGR

Resümee:

Die Ziele der Fahrt wurden erreicht und die geborgenen Funde werden nach der Bearbeitung in den Museumsbestand übergeben.


Besichtigung Kolovrat:

Der Kolovrat ist ein Gebirgszug des Sočatals, der sich von Kobarid im Nordwesten bis hinter Tolmin im Südosten zieht. An seiner Nordwestseite schließt der Matajur (1642 m Höhe) an. Im Sattel dazwischen liegt der kleine Ort Livek (690 m). Am Südwesthang des Kolovrat schlängelt sich die heutige Grenze zu Italien entlang.

An der Straße zwischen Kobarid und Tolmin, biegen wir in der Ortschaft Idrsko zu der Ortschaft Livek (5km) ab. An der Kreuzung in der Ortschaft biegen wir nach links ab, in Richtung Livške Ravne (4km). Von dort sind es noch gut 3km bis Sie zum Freilichtmuseum, zu dem Sie auf einer asphaltierten Straße gelangen. Ein Hinweisschild am Parkplatz weist auf das Freilichtmuseum hin. Hier erwartet Sie Ihr Führer. Der Zugang ist auch vom Dorf Volče oder von der italienischen Seite aus möglich. Das Freilichtmuseum hat eine außerordentliche Aussicht auf den Kolovrat-Kamm. Der ursprüngliche deutlich längere Straßenverlauf über Kambresko ist auf ca. 5,5 km nach wie vor nicht asphaltiert. Bei umsichtiger Fahrweise ist die Straße dennoch mit dem Rennrad passierbar.

Es sind die italienischen Stellungen der dritten italienischen Verteidigungslinie „linea d’armata” auf dem Kolovrat, die im Zuge der Isonzo-Schlachten des 1. Weltkrieges eine wichtige Schlüsselstellung besaßen und nun wieder in den Originalzustand versetzt und für Besucher hergerichtet wurden. Das Freilichtmuseum bildet zusammen mit dem Museum in Kobarid eine sehenswerte und denkwürdige Anlaufstelle für Geschichtsinteressierte

Geschichtliche Beschreibung: Am rechten Ufer des Sočaflusses (Isonzoflusses) erhebt sich zwischen Kobarid und Tolmin der steile Hang des Kolovrat. Auf seinem Kamm verlief vor dem 1. Weltkrieg die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Am ersten Kriegstag haben die Italiener den Grenzkamm überschritten und begannen diesen zu befestigen. Die italienische Armee baute allmählich eine umfassende Verteidigungslinie, die sie die „linea d'armata“ nannten. Am Kamm standen zahlreiche Kanonenstellungen und Beobachtungsposten, von wo sie das Isonzoschlachtfeld, das Krngebirge, den Mrzli vrh, den Tolminer Brückenkopf und das Banjšicaplateau beobachten konnten. Aus diesen hochliegenden Stellungen konnte die italienische Artillerie auf die erste österreichisch-ungarische Verteidigungslinie, den Versorgungsweg zwischen Tolmin und Baška Grapa und andere wichtige Ziele des österreichisch-ungarischen Hinterlandes schießen. Der gesamte Kamm war auch mit befestigten Gräben durchzogen. Über den Sattel, zwischen der Erhöhung Na Gradu (1115 m) und dem Trinški vrh (1139 m) verlief ein wichtiger Versorgungsweg, der das Hinterland mit den Stellungen vor dem Tolminer Brückenkopf, bzw. mit der ersten und zweiten italienischen Stellung verband. Die Stellungen auf dem Kolovrat, waren für die Italiener ein wichtiger Schlüsselpunkt bei der Verteidigung in der 12. Isonzooffensive. Der Befehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee versprach demjenigen Offizier eine hohe Auszeichnung, den „Pour le mérite“, der es möglich machen würde, diese Stellung einzunehmen. Diese Auszeichnung wurde Oberleutnant Schörner verliehen, dem es gelang, mit seiner Einheit, die Bestand des deutschen Alpenkorps war, die Stellungen auf dem Na Gradu schon am ersten Abend des Angriffs, am 24. Oktober 1917, einzunehmen. Mit der Einnahme dieser Stellungen, machten sich die deutschen Soldaten den Weg frei für den weiteren Durchstoß auf dem Kamm des Kolovrat und des Matajur, und weiter in die Friauler Ebene hinein. Bei den Kämpfen auf dem Kolovrat hat auch Oberleutnant Erwin Rommel, der Befehlshaber des Württembergischen Gebirgsbataillons war, mitgekämpft. Am dritten Tag der 12. Isonzoschlacht besetzte er mit seiner Einheit den Matajur.

Heutiger Zustand: Auf dem Kamm des Kolovrat befindet sich ein Freilichtmuseum. Von hier öffnet sich ein schöner Ausblick auf das ehemalige Schlachtfeld des Krngebirges bis nach Sveta Gora und in die Friauler Ebene. Hier befinden sich Befehlshaber- und Beobachtungsposten, Maschinengewehr- und Kanonenstellungen, Kavernen und ein Netz von Schützen- und Verbindungsgräben auf mehreren Etagen. Die Objekte der dritten italienischen Verteidigungslinie sind dicht verstreut auf beiden Seiten der Grenze vorzufinden. Eine Besonderheit der Erneuerung an diesen Stellungen ist, dass Originalbaumaterial (Metallgitter zum Befestigen von Böschungen, Wellblech, Schieferstein, ...) aus der Zeit des 1. Weltkriegs benutzt wurde.

Die Erneuerung und die Instandhaltung der italienischen Stellungen auf der slowenischen Seite des Kolovrat werden von der Stiftung »Wege des Friedens im Sočatal« ausgeführt.


Suchen und Bergen von Funden im Bereich Sela pri Volčah:

Kamprfraum der 200. Div. Gruppe Berrer, südlicher Abschnitt der Durchbruchsschlacht. Die Forschungsgruppe untersuchte in 3 Aufstiegen bis zu den Kavernen auf den Gipfeln der Ost- und Westseite die Stellungen der Österreicher und der Italiener. Dabei wurden Funde geborgen und diese werden in die Schausammlung integriert. Alle Teilnehmer bewunderten die Leistungen von Freund und Feind. Extrem steile Berghänge machen schon einen normalen Aufstieg zu einer echten Leistung. Hier Angriffe und Gegenangriffe zu unternehmen sind schier unvorstellbar. Dazu noch die schwere Ausrüstung, die unzulängliche Ernährung und Kleidung der Soldaten müssen unvorstellbare Qualen verursacht haben.

Zu den herausstechenden Funden zählen: Bleihemdgranatenteile, Zünder, Geschoßteile, Ausrüstungsteile und Sauschwänze an denen besondere Kampfspuren zu finden sind. Fotos wurden für die Dokumentationen angefrtigt.

Bleihemdgranate:

Als Bleihemdgranaten werden Granaten bezeichnet deren Granathülse teilweise mit Blei ummantelt ist.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden von verschiedenen Nationen (zum Beispiel Frankreich und Preußen) Versuche unternommen, die Reichweite und Zielgenauigkeit der Artillerie zu steigern, indem man den Geschossen beim Abschuss einen Drall gab (sogenannte Drallstabilisierung). Dazu wurden Langgeschosse aus gezogenen Kanonenläufen verschossen. Zur Verbesserung der Drallübertragung auf das Geschoss wurde dieses mit einem Bleihemd umgeben [1]. Das Bleihemd diente dazu, den Verlauf der Züge des Kanonenrohrs beim Abschuss auf die Granate zu übertragen, diese also in Rotation zu versetzen. Außerdem diente das Bleihemd zur Abdichtung der beim Abschuss entstehenden Pulvergase und damit zur Verbesserung der Kraftübertragung auf das Geschoss.
Das erste für den Einsatz von Bleihemdgranaten vorgesehene preußische Geschütz war die Krupp'sche C/61. Granaten diesen Typs wurden erstmalig in den Kriegen 1864, 1866 und 1870-71 eingesetzt. Speziell 1870-71 bewährten sich die preußischen Granaten mit Aufschlagzünder besser als die französischen mit Brennzünder.

Diese Granaten wurden im I. Weltkrieg aus Altbeständen verschossen.

 

 
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