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Infantrist Franz Pointecker 

 

Heiliges Sterben im Krieg

 

Franz Pointecker, Weber, Veitl Sohn von Hinterholz, Aspach, Neffe zum Meßner Max Holzleitner ( Schwesternsohn ), Schneidergehilfe beim Meßner in Aspach seit den Schuljahren, war er ein sehr ruhiger ordentlicher Bursche und als tüchtiger braver Arbeiter sehr geschätzt. Er war gleich dem unten stehenden Johann Zoglauer aus Überzeugung Mitglied des Herz-Jesu-Vereins in Aspach – bei jungen Burschen ein seltenes Beispiel. – Franz Pointecker ward bei der November – Musterung 1915 assentiert, rückte im December zum Militär nach Salzburg ein und stand seit Mai 1916 an der Front.

 

Als der Franzl seinem Vetter, dem Meßner, sich „pfüat“ hat, weissagte dann der Meßner: „ Das is nu an unschuldiga Bua, dem geht gewiß in Kriag was zua, dass a nimmer hoamkimmt, den nimmt unsa Herrgott.“

 

Besonders in den ersten Kriegsjahren sprach man nämlich mit Verwunderung davon, dass oftmals gerade die Braven fielen oder starben, während die Lumpen gut davon kamen. Sogar Offiziere äußerten hierüber ihr Erstaunen – O wunderbarer Weg der göttlichen Vorsehung, die gar oft die guten, nahm, um sie zu krönen, die schlimmen ausließ, um sie zu verschonen und zu bessern. –

 

Standhaft war der Franzl. 20.IV.1916. Salzburg:

 

„Liebe Eltern und Geschwister ! Nun geht es ins Feld ! Ich bitte Euch, weinet nicht ! Es ist ja Pflicht, und da hilft uns nichts ! ich bin gesund und geht mir gut, was ich Euch auch von Herzen wünsche. Ich hätte mich noch so gerne photographieren lassen mit meiner neuen Montur, aber das geht sicher nicht mehr, weil wir nicht ausgehen dürfen. Ich werde Euch vom Felde schreiben, solange ich kann, und wenn auch lange Zeit kein Schreiben kommt, so müsst Ihr deshalb nicht verzagen. Liebe Eltern, grüßt mir auch die Familie Meßner, habe schon lange Zeit kein Schreiben mehr bekommen von ihnen, und ich schreibe ihnen oft, er wird halt keine Zeit haben. Bevor ich abreise, schicke ich Euch noch das überflüssige Geld nachhause, dass ihr mir’s aufspart, bis ich es brauche. Nun schließe ich mein schreiben mit vielen Grüßen, besonders noch an Vater, wenn wir uns vielleicht nicht mehr treffen ( stand auch im Heeresdienst ) und an Euch alle, euer dankschuldiger Sohn Franz. Lebet wohl, auf freudiges Wiedersehen !

Gruß auch an Crescenz Thurnberger, auch von ihrem Mann.

Franz Pointecker, K.u.K. Inft. Rgmt. 59, 4/19 M.K. 2. Zug, Kriegsgefangenenlager Grödig, Lager 3

 

Aber tapfer war er auch der Franzl: Da er schon an der Front in Südtirol stand, rieten ihm die Kameraden, der THURNBERGER ( Zurichter in Hinterholz ) und der SCHREMS JOSEF (Roith): „Franz, Du bist recht krank, ruhrleidend, Du musst Dich marod melden, sonst bist hin !“ „Oh, is scho bössa“, meinte der Franz und verbiß die Krankheit – bis er nicht mehr konnte.

 

Militärseelsorger des K.u.K. Mob. Epedemiespitales No. 3, Südfront:

 

“ Geehrte Frau !

Ihr Sohn , Landsturmmann Franz Pointecker, K.u.K. Infantrie Regiment No. 59, 2. Kompanie, geboren 1896 aus Aspach, Bez, Braunau, ObÖst., kam am 20. Juni in das hiesige K.u.K. Mob. Epedemiespital No.3 schwer krank an Typhus. Nach kurzem Leiden starb er am 21. Juni um 1 ¼ h nachmittags begraben am Katholischen Friedhofe zu Villazano bei Trient, Südtirol, wo sein Grab leicht zu finden ist. In dem ich Ihnen diese schmerzliche Nachricht mitteilte, bitte ich den Allmächtigen, er möge Ihnen beistehen, dass Sie dieses Weh starkmütig ertragen können. Es geschehe sein heiligster Wille. Nun ist der Franz erlöst von allen Leiden, und Sie werden sicher in ihm einen guten Beschützer beim himmlischen Vater haben. Teile Ihnen auch mit, dass wir alle tief gerührt waren über seine Frömmigkeit, mit der er die heilige Kommunion und die letzte Ölung empfing. Der Herr war ihm gnädig, und ich hoffe, dass ihm sicher das himmlische Reich als Lohn schon beschieden ist. Stehe Ihnen weiter zu Diensten.

Mit Hochachtung

Josef Müller, K.u.K. Feldkurat, Feldpost 64 am 22. Juni 1916.“

 

Kurz aber ergreifend schildert neuerdings Feldkurat Josef Müller vom Mobilen Epedemie=Spitale No 3 in einem Schreiben an Max Holzleitner, Meßner in Aspach, den schönen Heldentod dieses Jünglings:

 

„9.Juli 1916, Geschieden ist der teure Krieger Franz Pointecker heiligmäßig. Äußerungen jedoch hat er keine mehr gegeben, da er nicht mehr sprechen konnte. Mit Gruß Josef Müller.“

 

Aspach 19. Juli 1922. Einem jungen Krieger galt das heutige feierliche Trauergedächnis, dem ehrengeachteten Jüngling Franz Pointecker, Webersohn von Hinterholz, Pfarre Aspach, welcher am 21. Juni 1916 um 1h nachmittags im Mob.Epid.Spital No.3 in Villazano bei Trient nach Empfange der heiligen Sterbesakramente im 20. Lebensjahre den Heldentod für das Vaterland gestorben ist. Die zahlreichen Trauergäste ordneten sich zu einem Zuge, welcher betend von Hinterholz zur Pfarrkirche zog, wo Pfarrer Klinger den Seelengottesdienst für den toten Krieger hielt. Der Veteranenverein von Aspach, Gendarmerie, Finanzwache, die Wache der Russenbarake nahmen an der Trauerfeier würdigen Anteil. Die Urlauber der Umgebung und die Kameradschaft ehrten durch ihr erscheinen den teuren Freund und Kameraden. Der stille gute Franzl, der als Schneidergehilfe beim Meßner in Aspach seinem Oheim diente, ist uns wegen seines aufrichtigen christlichen Charakters unvergesslich. Es freut uns, dass gerade ein Mitglied der Herz-Jesu-Bruderschaft das Zeugnis erhielt: „Er ist heiligmäßig gestorben.“ Der junge Krieger, der in fremder Erde der Auferstehung entgegenharrt, möge ruhen im Frieden des Herrn !

 

Im Original übernommen von der Niederschrift des Hrn. Benefitziat Paul Kettel, nun in der Sammlung SWGR – alle Rechte vorbehalten.



 

 
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