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Schnittmodelle

 

Die Salzburger Wehrgeschichtliche Rainerforschung wird ab sofort Schnittmodelle von österreichischen und in Folge auch italienischen und russischen Handgranaten, Munition und Zündern anfertigen lassen. Diese Arbeiten werden von Fachkräften in Slowenien durchgeführt und halbjährlich an das Museum geliefert. Die ersten Exponate sind bereits eingetroffen und können für Sonderausstellungen und Lehrveranstaltungen angefordert werden. Mit dieser weiteren historisch-wissenschaftlichen Serviceleistung für Museen und Organisationen erweitern wir die Schausammlung und unser Leistungsangebot. Diese Schnittmodelle offenbaren technische Details und lassen Rückschlüsse auf die Wirkung dieser Waffen zu.

Schrapnell

Das Schrapnell wurde im Jahre 1803 von dem britischen General Henry Shrapnel (1761–1842) erfunden. In unvollkommenerer Form war es allerdings schon den deutschen Stückmeistern des 16. Jahrhunderts bekannt. Es handelt sich bei einem Schrapnell um eiserne Hohlgeschosse, die mit 13 bis 17 g schweren Bleikugeln gefüllt sind. Diese sind, um bei der Rotation des Geschosses während des Flugs ihre Lage nicht zu verändern, durch Eingießen von Schwefel oder Kolophonium fixiert. Auf diese Weise sollen Störungen in der Regelmäßigkeit der Flugbahn vermieden werden. Es gab auch Schrapnellgranaten mit Mischladung, bei der die Kugeln in den Sprengstoff eingebettet waren (Einheitsgeschoss). Bei diesen Einheitsgeschossen wurde der Sprengstoff jedoch in Schrapnellstellung nicht gezündet und verbrannte lediglich.

Eine zentrale Höhlung in Kopf oder Boden der Granate enthält die Sprengladung (Kammerladung) bzw. Ausstoßladung aus Schwarzpulver, die durch den Zünder (Zeit- bzw. Pulver-Brennzünder) vor Erreichen des Ziels in der Luft gezündet wird. Befindet sich die Pulverladung am Boden des Geschosses, spricht man von einem Bodenkammerschrapnell. Ähnlich einer großen Schrotpatrone werden die Kugeln nach vorne aus der Hülle ausgestoßen, gleichzeitig aber möglichst wenig aus der Flugbahn gelenkt. Durch die Ladung mit Schwarzpulver entsteht eine auffällige weiße Rauchwolke in der Luft, wodurch die Beobachtung des Sprengpunktes und die Korrektur der einzelnen Schüsse erleichtert wird. Die leeren, nach den Kugelwolken einschlagenden Schrapnellhülsen werden auch Hohlbläser genannt.

Die Entfernung des Sprengpunktes vom Ziel beträgt etwa 50 m, um den Kugeln eine möglichst große lokale Ausbreitung zu ermöglichen. Der Abstand des Schrapnells vom Erdboden beträgt zu diesem Zeitpunkt, je nach Schussweite und -art, zwischen 3 und 10 m.

 

Der Einsatz erfolgte gegen sogenannte Weichziele, also Personen und ungepanzerte Fahrzeuge. Die Wirkung gegen aufrechte, ungedeckte Ziele war verheerend, wenn die Lage des Sprengpunktes zum Ziel genau beobachtet werden konnte, damals bis etwa 5000 Meter. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Schrapnell nach und nach durch die Sprenggranate ersetzt, nachdem aufgrund eben dieser Wirkung durch den Übergang zum Grabenkrieg kaum noch ungedeckte Ziele aufzufassen waren. In der Endphase des Ersten Weltkrieges wäre dies zwar wieder möglich gewesen, jedoch gab es kaum noch Artilleristen, die das aufwändige Verfahren beherrschten. Das Prinzip des Schrapnells wird aktuell wieder in Form der AHEAD-Munition gegen Weichziele und bei der Nahabwehr von Flugkörpern wie Raketen eingesetzt.

 

Aus: http://de.academic.ru

 
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