Oberleutnant d.R  Franz Ortner

 

Das Tagebuch von Oberleutnant d.R Franz Ortner ist ein Glücksfall, da er aus berufener Sicht den Einsatz des X. Marschbaons zu Anfang des Krieges darstellt. Aus dieser Zeit ist vom X. Baon nicht viel erhalten, denn er gehörte zu denen, die schon vom ersten Kriegstag an der Südfront dabei waren. Das Rainerregiment kämpfte zu dieser Zeit noch an der Nordfront und wurde erst im Jänner 1916 an die Südfront verlegt. Besonders die Skizzen der Gefechtsfelder, das Wissen um Anmarschwege, Gefallene und Befehle geben Detailwissen frei. Franz Ortner wurde in Hoen erwähnt und bekam das bronzene und das silberne Signum Laudis sowie zwei kleine silberne Tapferkeitsmedaillen als höchste Dekoration. Er überlebte den Krieg, wurde aber nach 1916, noch als Fähnrich, nicht weiter erwähnt. Das Tagebuch umgeht, anders als z.B. die Feldpost die Zenur, deswegen ist mit solchen Details nicht aus Briefen der Soldaten zu rechnen. Die weiteren glücklichen Umstände sind, dass Ortner nicht in Kurzschrift geschrieben hat.

 

 


 

 

 

 

Lt. i. d. Res. Franz Ortner

 

Kriegserinnerungen
Mit dem 10. Baon gegen Italien

 

Franz Ortner Lt

Im Kampfe gegen Italien
Aus meinen Tagebuchblättern

Klausen im Eisacktal
6.Mai 1915

Unverhofft kam der Abmarsch heute. Nichtsahnend stiefelte ich mit leerem Rucksack zur Kompanie. (2./X. Kmdt. Hauptmann Plammer Besitzer der Goldenen Tapferkeitsmedaille Konvolut SWGR, Anm d.Red.), als der Marschbefehl kam. Eiligst rannte ich nach Hause, packte die wichtigsten Sachen ein, dann ein Händedruck und zurück zur Kompanie. Wohl stand mir das Wasser in den Augen, denn wer wusste, ob ich je wiederkam? Vom Kompanierayon Schallmoos marschierten wir zur Lagerkaserne. Dort der gleiche Durcheinander. Ergreifend war das Bild, als auf das Kommando:„Kniet nieder zum Gebet!“ das Baon die Knie beugte und die Musik das „Gebet vor der Schlacht“ intonierte. Jeder dachte an seine Lieben und an die bevorstehenden schweren Kämpfe. Dann wurde unter klingendem Spiel, begleitet von der Volksmenge, zum Bahnhof marschiert, und dann zog der Zug an. (Abfahrt 10:20) Immer kleiner wurde das Wahrzeichen der Stadt, die Festung, bis sie verschwand. Aller Augen hingegen daran, und lange noch stierten viele in die Richtung, wo die Stadt lag. Das erste Heimweh! Dann ein schwerer Seufzer, und viele verzogen sich in die dunkelsten Winkel des „Viehwaggons“, wo man sie nicht sehen konnte. Lebt wohl, all ihr meine Lieben, lebe wohl du schöne Heimatstadt, ob ich euch wohl jemals wiedersehe? Später kam wieder die gute Laune, und unter Gejohle und Geschrei ging es gegen Bischofshofen. Dort Mittagsmahl. In Saalfelden Abendmenage. Langsam wurde es ruhiger, und als der Zug über die Tiroler Grenze fuhr, war es schon ruhig, denn die meisten schliefen.

7.Mai 1915

In den aufgehängten Zeltblättern als einer Art Hängematte schlafend , ging es durch das Unterinntal. Einmal fiel ich zwar herunter, und zwar auf den Ofen, aber das machte nichts. Um zirka vier Uhr früh passierten wir Innsbruck. Zu beiden Seiten des Waggons an den offenen Türen sitzend, freuten die „Landler“ sich der schönen Bergfahrt. Wahrlich herrlich war es da hinauf. Bald aber kamen wir in den Nebel. Um 7 Uhr früh wurde der 1370m hohe Brenner passiert, und rasch ging es bergab, vorbei an der Gossensasserschleife nach der Franzensfeste. Dort war Mittagmahl. 1 Stunde später fuhr der Zug weiter dem Süden zu. Ankunft um 1:50 nm. Bei kurzen Marsch in die Ortschaft glaubte ich umfallen zu müssen, so totmüde war ich. Unsere Kompanie kam nach Frag eine kleine Ortschaft drüber dem Tinnebach und wurde dort einquartiert. Seffert, Koch und ich schlafen zusammen in einem Zimmer im Gasthaus zur „Traube“. Zwar Bett war keines, dafür haben wir aber Matratzen und Decken. Mannschaft ist auch halbwegs gut untergebracht, und hatten sie abends schon den ersten Schwips vom Wein. Als Biertrinker tranken sie den Wein in gleichen Zügen, und waren nach dem zweiten Viertel schon berauscht. Klausen selbst ist ein herrliches Städtchen. Es liegt am rechten Ufer der Eisack, und hoch über der kleinen reizend Stadt liegt das Nonnenkloster Säben (717m). Die Häuser selbst sind mit ihrer wunderschönen Architektur recht lieblich anzusehen. Es gefällt mir sehr gut hier.

(Seffert = Saffert?)

8.Mai 1915

Übung nach Latzfons (1163m)
Abmarsch um 6:00 früh durch das herrliche Tinnebachtal zum Schloss Gerstein und dann nach ____ Latzfons. Zurück über Verdings, Kloster Säben nach Klausen. Eine elende Kraxlerei. Hinauf schwitzt und kriecht man und herunter fällt man. Das Tornistertragen stiert mir es schon sakrisch. (ital.: Verdings = Verdignes, Säben = Sabiona, Klausen = Chiusa, Anm.d.Red.)

9. Mai 1915 Sonntag

Vm Messe in der Kapuzinerkirche, nm frei. Habe einige kleine Spaziergänge gemacht. Der Wein hier ist wirklich ein Luder. Kaum trinkt man, hat’s einen schon.

10.Mai 1915

Vorpostenübungen. Gufidaum – Theis. Abmarsch 6:30 früh durch das Villnösertal. Hier wird überall fest gearbeitet und betoniert, um Schützengräben und Geschützstände fertig zu bringen. Der Krieg mit Italien wird unausbleiblich sein. Meine Feldwache war bei einer Säge unter Theis. Vm fing es zu regnen an, und kamen wir um 11:30 ganz nass zurück nach Frag. Nm fade Apellübungen. Die Gegend von Klausen ist herrlich. Das Villnösertal heute war wieder ein Prachtstück daraus. Zwischen steil abfallenden hohen Felsen führte die Straße knapp neben dem Berg dem Tal entlang aufwärts, um später in herrliches Wiesengelände überzugehen. (ital.: Gufidaun = Gudon, Theis = Teis Anm.d.Red.)

11.Mai 1915

Verteidigungsübungen vor Frag beim Glurnhof. Schanzen ausgehoben und Vorführung der Wirkung des Salvenfeuers auf gebaute Steindeckungen und auf Erddeckungen. Nm beim Glurnhof Zelte aufgestellt. Wir Zimmergenossen vertragen uns gut. (ital.: Glurnhof = Glunhof Anm.d.Red.)

12.Mai 1915

Marschübungen nach Waidbruck und Walddurchstreifungen bei Kote 1105. Beim Rückweg blieb ich im W.H. vor Rebenstein zurück, da ich absolut nicht weiterkonnte, und fast umgefallen wäre. Die Hitze und der Tornister haben mir den Rest gegeben. Das wir erst schön werden, wenn es wirklich ernst wird!

13.Mai 1915

Während des Tages recht langweiliges Exerzieren. Abends mit Koch in Villanders und haben wir wieder zu viel Wein erwischt, und sind kreuzfidel den steilen, steinige Weg herunter. Der arme Koch ! Wenn er gewusst hätte, dass dies sein letztes Lebensjahr ist, wäre er nicht so lustig gewesen. ( Koch Martin, Fhr.d.R. gefallen am 29.07.1915 Anm.d.Red.)

14.Mai 1915

Heute sind wir gar auf das Rittner Horn gerannt. Eine elende Hitze und dazu in voller Marschadjustierung. Gefreiter Leeb von meinem Zug hat Herzkrampf bekommen. Abmarsch 5 Uhr früh über Villanders zum Gasteiger Sattel. Von dort auf Steinmauern oder knietief im Schnee watend zur Kote 2261 Gersteiner Sattel ? (Rittner Horn). Die Aussicht war herrlich oben, aber leider war es recht windig. Wunderbar sah man die Seiser Alpen mit der Kassian Spitze 2583m. Drüber der Etsch aber krönte die Seiser Alpe mit der Sella Gruppe (Boe Spitze 3152m). Dem Kaserbach entlang war der Abstieg und nach vielen ______ kamen wir zum Bad Dreikirchen, wo um 3 Uhr nm menagiert wurde. Die 4. Kompanie (Hptm. Brunner) war auch auf der Spitze und bleibt oben über Nacht. Wir kamen um 5 Uhr nm todmüde wieder in Klausen an. Abends kamen wir mit Feldwebel Kinast im Gasthof Rose zusammen, und hatten wir alle zum Schluss einen enormen Schwips. Koch und ich mussten beim Erkerfenster einsteigen. Schließlich fiel das Gebäude von Weinfässern zusammen und ich kam mit den Weinranken, an die ich mich festhielt, vom 1. Stock zu Boden gesaust. Ein Betrunkener aber tut sich nie etwas. So auch bei mir. Endlich kamen wir aber doch beim Fenster hinein, und schliefen unseren Rausch aus. (ital.: Villanders = Villandro Anm.d.Red)

15.Mai 1915

Appellübungen am Exerzierplatz von tödlicher Langeweile, ebenso nm. Jetzt sieht man schon teilweise Truppen mit der Bahnlinie herunterfahren, aber recht wenig. Kaum ein paar tausend Mann. Die Südtiroler Truppen gehen hinauf nach Galizien, wo es flott vorwärts geht. Wenn uns der Welsche nicht in den Rücken fällt, ist der Erfolg und oben sicher.

16.Mai 1915

Ein wunderschöner Sonntag. Herrlich beleuchtet die Sonne das Städtchen. Leider habe ich ____ inspektionsdienst und habe von all der Schönheit nichts, weil ich fleißig visitiere und bei der Wache sitze. Nm war sogar eine Alarmübung.

17.Mai 1915

Vm noch Inspektionsdienst. Nm da ich frei war oben auf Kloster Säben. Herrlich bist du Klausen. Schon Dürer hat die Schönheit empfunden. Wunderschön ist die Umgebung, nur kostet die Kraxlerei von profanem Standpunkt (bei Militär) besehen, viel Schweiß. Ja im Frieden auf Sommerfrische wäre es nett hier, aber in Aussicht großer Strapazen gefällt es mir oft weniger.

18.Mai 1915

Ganztätige Übungen nach Lajen. 3 Uhr früh Tagwache und um 5 Uhr früh abmarschiert über Waidbruck nach der 1100m hohen Ortschaft Lajen. Machten dort eine Vorpostenübung und standen 2 ½ Stunden bei strömendem Regen ganz ungedeckt im Freien. In Lagen wurde menagiert. Patschnass um ½ 4 in Klausen eingerückt.

19.Mai 1915

Ganztätige Baonsübung nach Kastelruth am Schlern. 3 Uhr früh Tagwache und um 5 Uhr früh Abmarsch. Auf einer schönen Kunststrasse marschierten wir bergauf. Mit der tollen Rüstung ein Tschoch. Bei der Gefechtsübung setzte wieder starker Regen ein, sodass wir abermals ganz nass und recht müde um ½ 7 abends in Klausen ankamen. 10 Uhr abends Alarm. Baon geht ab. (ita.: Kastelruth=Castrelrotto, Lajen=Laion, Waidbruck=Ponte Gardena Anm.d.Red.)

Im Pustertal und auf der Plätzwiese

20.Mai 1915

Transport Klausen – Innichen – Niederdorf

Die halbe Nacht bis ca. 1 Uhr war keine Ruhe, da auf den Alarmbefehl sofort gepackt wurde. Nach 2 Stunden Schlaf um 3 Uhr früh Tagwache und um 5 Uhr abmarschiert. 6:18 Abfahrt aus Klausen. Schönes Klausen ade! Gerne erinnere ich mich zurück an die herrlichen Tage. Zurück nach Franzenfeste ging es und dann dem Pustertal entlang über Bruneck nach Innichen. 1 Uhr dortselbst Ankunft, Auswaggonierung und Menage. Um 3:45 marschierten wir (die 2. Kompanie) über Toblach nach Niederdorf zurück. Ein Gewaltmarsch mit der müden Mannschaft. Erst mussten wir die ganze versaute Kaserne reinigen, bevor wir uns niederlegen konnten. Wir sind jetzt nur einige Stunden von der Grenze entfernt. (ital.: Niederdorf=Villabassa, Toblach=Dobbiaco, Innichen=San Candido, Anm.d.Red.)

21.Mai 1915

Wir sind Abschnittsreserve des Subregiment 5, Bruneck (Kmdt. G.M. Bankofsky) mit 1. Kompanie in Niederdorf und 3. Kompanie in Innichen. Vm Kasernreinigung, nm exerzieren.

22.Mai 1915 Pfingstsonntag
Niederdorf:

Vm Exerzieren auf der heißen Wiese, nm frei. Heute ist in Rom die Senatssitzung, die die Entscheidung bringen wird. Ich glaube der Krieg ist unausbleiblich. 1. Und 3. Kompanie in Innichen sind ins Innerfeldtal und auf das Zinnenplateau abmarschiert, um die verschneiten Wege auszuschaufeln. 4. Kompanie erzeugt spanische Reiter.

23.Mai 1915 Pfingstsonntag <- ???
Niederdorf:

Vm Freitag, Nm Bereitschaftsdienst 1. Kompanie am Zinnenplateau und in Sexten, 2. Kompanie in Niederndorf, 3. Kompanie in Sexten, 4. Kompanie in Innichen 9:30 abends: Eintreffen der Kriegserklärung Italiens. Sie wurde mit einem 3fachen Hurra aufgenommen. Der erste Schuss soll im Grenzabschnitt 10km von italienischer Seite gefallen sein ( Plätzwiese ). Sofort wurden Kantonierungswachen mit 6stündigem Dienst aufgestellt und die Marschbereitschaft angeordnet. Arbeitsmannschaft der 1. und 3. Kompanie wurde telefonisch nach Innichen zurückberufen, und wurden auch in Innichen Kantonierungswachen aufgestellt.

24.Mai 1915
Niederdorf.

Vm Kapselschießen am Exerzierplatz. Nm von 6-12 Uhr auf der Straße gegen Toblach Kantonierungswache bezogen. Man hört hie und da schon Kanonendonner. 6 Uhr nm Eröffnung des Feuers durch unsere Batterie am Innergfell.

25.Mai 1915
Niederdorf

Von 6-12 Uhr nachts auf der Straße auf Kantonierungswache. Durch Hptm. Plammer inspiziert. In der Nacht ist es auf dem nackten Boden unter einem Zelt schon ziemlich kalt. 1. 3. Und 4. Kompanie in Innichen

26.Mai 1915

Vm dienstfrei. Habe im Gasthaus Ebner noch herrliches Bier getrunken. Auf wie lange das Letzte? Nm um 3 Uhr Abmarsch aus Niederdorf durch das Alt Pragser Tal. Ein herrliches Gebiet und von Fremden viel besucht. Bis außer Prags ging es recht schön, aber dann bei dem Bergaufsteigen durch das obere Tal wurden wir schon weidlich schwitzend. Bei Brückele (1515m) W.H. Rast. Dann ging es gemein steil bergan. Fast glaube ich, mit dem schweren Tornister nicht mehr nachkommen zu können. Endlich um zirka 8 Uhr waren wir oben am Dürrenstein inmitten der herrlichen Dolomitenwelt- Habe dort mit Seffert und Dirnberger ein Zimmer bekommen. Das letzte Bett auf lange Zeit.

27.Mai 1915
Strudelalm

Um 6 Uhr früh wieder vollbepackt auf die Strudelalm abmarschiert. Bei der Sperre Plätzwiese trennte sich der 1. und 2. Zug von uns. ½ Kompanie marschierte über einen Grat zum Knollkopf vor, und grub sich dort ein. Wir unter Kommando des Lt. Kopf gingen über die Strudelalm und über die Strudelköpfe (2308m) zur Geierwand vor und gruben uns dort im Verein mit Standschützen ein. Herrlich ist das Gebiet hier. Rechts die hohe Gaisl (3199m) und vor uns das Christallomassiv mit dem Monte Chistallo (3199m) der Cresta Bianca (2934m) dem Piz Popena (3143m) und dem Monte Christallino (2786m). Leider saßen auf letzterem schon die Italiener, die dort das ganze Tal beherrschten. Links war der Monte Piano (2325m) und das Zinnenplateau mit den 3 Zinnen (3001m) einem Durchblick auf die Sextner Dolomiten gestattet. ( Diese Höhenangaben stimmen teilweise nicht, Anm.d.R.) Wahrlich herrlich war dieses Gebiet hier, und kaum konnte man irgendwo Überwältigenderes und Schöneres finden. Am Monte Piano versuchte einige Male die italienische Artillerie aufzufahren, wurde aber jedes Mal durch einige Schüsse aus den Batterien bei den Strudelköpfen vertrieben. Um 7 Uhr früh wurde das schöne Hotel Baur, das vor der Sperre Landro stand, gesprengt. Hochauf flogen die Trümmerhaufen und nur einzelne Mauerreste zeigten noch von einer einstigen Wohnstätte. Auch sahen wir an diesem Tag die ersten Artillerieschüsse. Wir bauten uns entlang eines Weges eine Art Krähennester (Siehe Skizze). Um 3 Uhr nm Menage. Die erste feldmäßige Nacht in einem schotterigen Schützengraben. Zum Überfluss fing es zu regnen an, und so waren wir schutzlos den Unbilden der Witterung preisgegeben. Fein war es gerade nicht.


28.Mai 1915
Auf der Strudelalm

Eine schlechte Nacht ist vorüber. Wir lagen zu 6 in einem kleinen ausgehobenen Graben, den wir zum Schutz gegen Regen mit Reisig eingedeckt hatten, beisammen, und konnten nicht schlafen. Zum Überfluss fing es wirklich zu regnen an, und das durchweichte Terrain stürzte auf uns und mit ihm das Reisigdach. So waren wir seit 3 Uhr früh obdachlos in der Kälte. Die erste feldmäßige Nacht. Das gibt eine schöne Zukunftsperspektive. In der Früh spielte sich am Knollkopf ein Gefecht zwischen eigenen Truppen ab. Auch Artillerie schicken


29.Mai 1915
Strudelalm – Niederdorf – Sillian – Kartischt

Um 1 Uhr nachts Alarm. Die Kompanie marschiert um 3 Uhr früh ab, um bei einem Angriff teilzunehmen. Wo unbekannt. Aus war es mit der Nachtruhe. Um 3 Uhr früh war mein Zug bei Objekt 2 gestellt, und wartete dort mit voller Rüstung bis 5 Uhr. Endlich setzten wir uns in Bewegung. Beim Hotel Dürrenstein trafen wir mit den beiden anderen Zügen zusammen. Nach Einnahme des Frühkaffees wurde der lange Marsch bergab nach Niederdorf angetreten. Teuflisch lang zog sich der Weg. Müde, totmüde war ich fast zum Umfallen, der Tornister drückte wie eine Zentnerlast. Da hieß es die Zähne zusammenzubeißen, um nicht liegen zu bleiben. Ja so war der Krieg. Nicht nur Kugeln brachten Verderben, sondern auch die Strapazen, die furchtbaren. Endlich um 10:30 Vm langten wir in Niederdorf an. Um 11 Uhr wurden wir einwaggoniert und über Toblach fuhren wir nach Sillian. Während der Bahnfahrt hatte ich mich in einem Winkel verkrochen und schlief dort. In Sillian Menage. Um 3 Uhr Abmarsch. Ein Gewaltmarsch brachte uns nach Kartitsch, wo wir einquartiert wurden, und auch gleich darauf, es war 7 Uhr abends, in tiefen Schlummer auf dem Heuboden versanken. Langsam begann sich mir der Krieg in seinen ganzen Schrecknissen
zu zeigen.


Am Karnischen Kamm

 

30.Mai 1915
Kartitsch – Erschbaumertal

4 Uhr früh Tagwache. Wir mussten sofort den Weg ins Winklertal ausbessern und beim Transport von 2 Stück 15cm Haubitzen helfen. Alle sind wir noch so müde und schon wieder den ganzen Tag Tschoch. Oberhalb Kote 1455 wurden die zwei Geschütze eingebaut, die uns zum Angriff helfen sollten. Es gilt die Pfannspitze (2696m) und den Frugnoni (2564m) dem Gegner wieder abzunehmen. Um 3 Uhr nm eingerückt und dann Menage. Abends zum Kadettaspirant befördert worden. Abmarsch zum Angriff um 9 Uhr abends durch das Erschenbaumertal. Bei strömenden Regen wurde oberhalb Kote 1492 einige Stunden gerastet. Stockfinster und es regnet, was es regnen kann. Ein Sonntagsvergnügen.

31.Mai 1915

Kote 1492 Kote 1719 Kartitsch und Kote 2142 Nöckel

Um 3 Uhr früh wurde weitermarschiert (1. Kompanie + ½ 2. Kompanie) und bei Kote 1719 das Aufgehen des Nebels abgewartet, um mit den Angriffe zu beginnen. Mir war, wie es scheint, die Pfannspitze zugedacht. Nach 3 stündiger Rast wurde „Kehrt“ gemacht und wir marschierten nach Kartitsch zurück, wo wir mittags anlangten. Um 2 Uhr aber marschierte ich mit meinem Zug wieder ab, um die Feldwache am Nöckel zu beziehen. Einen so einen Tschoch habe ich auch noch nie mitgemacht. Eine elende Steigerei auf dem nassen glitschigen Boden, durch das nasse Gestrüpp durch. Weg ging keiner. 1 Mann musste ich wegen Herzkrampf liegen lassen. Unsere totmüden erschlafften Glieder trugen uns kaum vorwärts. Auf allen Vieren krochen wir ohne Steig bergan. Nur das Bewusstsein, es muss sein, hielt uns noch aufrecht. Endlich nach 4 Stunden kamen wir oben an, und bezogen bei Kote 2142 die Feldwache, sichernd gegen die Pfannspitze. Todmüde versahen die Leute in Nacht und Nebel den Wachdienst. Teilweise sind wir in einer kleinen Heuhütte untergebracht, wo ein kleines Feuerchen brannte, damit wir uns trocknen können. Die anderen Leute schlafen im Freien unter Zelten.

 

1.Juni 1915
Am Nöckel

Auf Feldwache! Wetter etwas besser, aber immer noch Regen und undurchdringlicher Nebel. Uns friert alle stark. Kompanie versuchte heute abermals Angriff auf die Pfannspitze, musste aber wegen schlechten Wetter umkehren.

2.Juni 1915
Nöckel – Kartitsch

Noch immer auf dem unwirtlichen kahlen Berg. Wetter zwar schöner, aber dafür den ganzen Tag nichts zu essen. Endlich um 5 Uhr Ablösung und fuhr ich um 7 Uhr ins Tal. Kompanie marschiert heute zum Angriff ab. Ich kann nicht mehr mit, und melde mich krank.

3.Juni 1915
Kartitsch

Bei Morgengrauen donnerten die 1. Art. Schüsse gegen die Kammstellung. Während im Tale die Fronleichnamsprozedur stattfand, hatte unsere Kompanie oben die Feuertaufe. Fhr Steiner 19 Jahre erst alt, hatte im Handstrich die Pfannspitze genommen und Oblt. Stuppöck (3. Kompanie) ohne Kampf den Frugoni besetzt. So war unsere Arbeit getan, und der Kamm in unserer Hand. Auf unserer Seite: 1 Leichtverwundeter, beim Feind: 15-20 Tote, 1 Gefangener, mehrere Verwundete. Viel Kriegsmaterial wurde erbeutet, darunter 60 Zelte. Ich selbst muss mit Ischias liegen und fresse viel Aspirin. Habe mir ein Zimmer bei den 3 Bauernhäusern bei Kote 1392 genommen, wo ich Ruhe habe. Seit der Kriegserklärung keine Post mehr bekommen.

4.Juni 1915
Kartitsch

Im Marodenstand. Kompanie ist um 10 Uhr Vm ins Tal gekommen, und hatte viele Leute zur Auszeichnung vorgeschlagen.

5.Juni 1915
Kartitsch

Im Marodenstand. Kompanie marschiert nach der Obstanzer Wiese ab, um morgen den Frugoni und das Eisenreich – Kinigat (Hoen 387) zu beziehen.

6.Juni 1915
Kartitsch:

Im Marodenstand.

7.Juni 1915
Kartitsch:

Im Marodenstand. Bin noch immer riesig müde.

8. Juni 1915
Kartitsch:

Unverändert. Noch immer keine Post.

9.Juni:
Kartitsch:

Unverändert. Seffert kam heute ganz fertig herunter, und erzählte, dass es oben elendig sei.

10.Juni 1915
Kartitsch.

Die Kompanie kam um 10 Uhr und der 2. Teil um 2 Uhr früh ganz erschöpft von _______ herunter. Situation sonst unverändert.

11.Juni 1915
Kartitsch – Tilliacher Tal bis zur Kote 1527

Heute meldete ich mich wieder gesund. Es wird, es muss gehen. Kompanie muss neuerdings einen Angriff machen und zwar auf die Roßkarspitze und dem Wildkarleck. Es ist nach Aussage unseres gewiss optimistischen Hauptmannes ein sehr schwieriges Unternehmen. Fein wird das werden. Nm um 5 Uhr Abmarsch aus Katitsch über Leiten ins Obertilliachertal bis Kote 1527. Dort wurde nach Eintreffen (um ½ 11 abends) 2 Stunden gerastet. Unsere Küche blieb im Tal stecken. Da ich dort meine schweren Schuhe aufgeladen habe, muss ich mit den leichten Sommerschuhen den steilen Berg hinauf. In der Telefonhütte der Art. 2 Stunden gelegen. Geschlafen nichts.

 

Das Gefecht auf der Roßkar Spitze (2500m)
12.Juni 1915
Kote 1527 bis Kote 2510 Roßkarspitze

Um ½ 2 Uhr früh in stockfinsterer Nacht Abmarsch. Mittendurch das Gebüsch ging es im Dunkeln, und mehr als einmal riss die Kompanie ab, und wurde dadurch unnütz aufgehalten. 3 Züge unter Hptm. Plammer (Lt. Kopf, Fch. Steiner und ich) – 3. Zug gingen entlang des Dorfer Lagers während der 2. Zug (Kadett Koch) gegen das Tilliacher Joch stieg, um von dort die Porze zu erklimmen. Langsam ging es aufwärts. Bei Morgengrauen stand die halbe Kompanie am Hang des Roßkars. Es war nur zu wundern, dass die Welschen die aufsteigende Kolonne nicht beschossen. Gesehen müssen sie uns doch haben, oder sie waren – blöd- im Gegenteil die eigene Artillerie beschoss uns. Die 1. Schrapnells waren uns gemünzt, und sie saßen gut. Erst auf unser Zeichen stellten sie das Feuer auf uns ein, und legten das Feuer nach vorne. Der letzte Teil des Abstiegs war gemein. Fast 45° neigte sich der Hang. Circa 200m unter der Spitze wurde die Artilleriewirkung abgewertet. 15cm Haubitze vom Leitnertal beschoss miserabel die Roßkarspitze während 2 Geschütze der Feldartillerie das Tillingertales Wildkarleck mit besserem Erfolg beschoss. Das waren die ersten Artillerieschüsse, die ich so knapp über uns kommen hörte. Wer einmal das Zischen des heransausenden Geschosses hört, dem wird es ständig in Erinnerung bleiben. Die Kompanie wurde zudem von eigenen Patrouillen aus der Richtung Kote 2145 beschossen, und musste von den knapp gehenden Kugeln Deckung suchen. Um circa 9 Uhr wurde der Angriffsbefehl gegeben. Er lautete: „Die Kompanie greift die Stellungen des Feindes am Wildkarleck und auf der Roßkarspitze an, um den Gegner zu werfen, und die Stellung zu besetzen. Der 1. und 4. Zug gehen auf meinen Befehl frontal gegen das Wildkarleck vor. Der 3. Zug unter Kommando des Kadettaspiranten Ortner ersteigt die Hänge der Roßkarspitze und rückt über den Kamm vor, und greift den Gegner am Wildkarleck dann von rückwärts, von italienischem Boden aus an.“ Der Plan war ganz gut ausgedacht, aber es sollte ganz anders kommen. Die Vorpatrouille der beiden anderen Züge war keine 20 Schritte weitergekommen, als sie schon angeschossen wurde, und auch gleich einen Schwerverletzten hatte. Ich begann indessen mit meinem Zug den Aufstieg über die Felswand. Rüstungen ließ ich zurück, nur eine Reserve Portion und Munition nahm ich mit. Weit den anderen voran suchte ich einen Steig in der Felswand. Über schmale Grasbänder, über scharfkantige Grate, arbeitete ich mich vorwärts. Heute ist es mir ein Rätsel noch, wie ich da hinaufkam. Als die Felswand nach 1 stündiger Kletterei überwunden war, stand ich vor einer steil ansteigenden, dreieckigen Wiesenfläche, circa 30m oben war der Gipfel. Da die Haubitze gerade da hinaufschoss, wollte ich über den östlichen Hang, gegen Stellonepaß steil abfallend vor, um dem Artilleriefeuer auszuweichen. Da bemerkte ich aber laufende Italiener in einer Entfernung von 500 Schritten. Eben wollte ich gerade auf den Gipfel losgehen, als die 1. Kugeln herüberpfiffen und Inft. Strudl verwundeten (Hodenschuss). Da der Gegner uns entdeckt hatte, gab es kein Besinnen. Geradewegs lief ich auf den Gipfel zu, gefolgt von ein paar Leuten, den ersten die Kletterei überwunden hatten. Dort oben kam es nun zur Feuertaufe.

Die Welschen, unsere Absicht erratend, wollten uns wahrscheinlich zuvorkommen, und den Gipfel vor uns besetzen, denn eben als ich hinaufkam, stürzten die Alpini, die besten italienischen Truppen wie tolle Hunde auf uns, das heißt auf mich und die paar Mann los. Voran lief ein Riesenkerl ein welscher *Hauptmann in der Rechten den Revolver, in der Linken den gezückten Säbel und – ein weißes Taschentuch. Dabei schrie er verrückt: „Ergebt euch, ergebt euch, ihr seid alle verloren!“ Da kam er bei uns recht an. Einige Schüsse brachten ihn zum Schweigen, und taumelnd stürzte er den Abhang hinunter. Vieleseiner tapferen Schar mussten ihrem Anführer zum Tode nachfolgen. Auch wir hatten Verluste. Knapp vor mir wurde der Inf. Lederbauer in den Kopf getroffen.

*mgl. Oberleutnant Tessiori – Brustschuß (Schemfil S 144)

 

Die Gehirnschale und die Augen wurden ihm vollends herausgerissen, und das schlammige und noch warme Gehirn wurde durch die Macht zum Großteil ins Gesicht und auf die Bluse geschleudert, wo es hängen blieb. Das feindliche Feuer, das jetzt ganz dicht herüberkam, fing an zu wirken. Mein Zug, der herauf gekommen war, hatte gewaltige Verluste, Meist waren es dazu auch recht schwere Verluste. Pfeifend und surrend sausten die Kugeln die Steine an, hinter denen wir hingen und das Feuer erwiderten. Die nächsten Toten waren die Inf. Lackerbauer und Meierhofer. An Verwundeten hatte ich schon: Inf. Rusch (Kopfschuss), Inf. Strudl (Bauchschuss), Inf. Buchner (Armschuss), Inf. Kurz (Brust- und Bauchschuss), Inf. Berer (Halsschuss) Inf. Buchner (Armschuss), Inf. Fletscher (Brustschuss) und Inf. Brunnhuber (Bauchschuss).

Kaum eine Stunde war ich im Gefecht, als das Häuflein schon merklich schmolz. Da kamen die beiden anderen Züge und gruben sich ein. Mein Zug konnte etwas verschnaufen. Da fiel noch der Älteste meines Zuges, der Infantrist Peter Pettighofer, Vater von 7 Kindern, ein 40jähriger Mann. Gleichzeitig mit ihm fiel sein bester Freund der Inf. Foul. Sie wollten soeben zurückkriechen, und den anderen Platz zu überlassen, und Pettinghofer sagte dazu: „ Gott sei Dank, fest habe ich geglaubt, von dem Stein komme ich nicht mehr lebendig davon ! Was wäre da aus meinen Kindern geworden ?“ Da zwei dumpfe Aufschläge und beide fielen vornüber auf das Gestein. In dickem Strom rieselte das Blut aus ihren Köpfen, und färbte alles rot. Mir drohte das Herz stillzustehen vor Schrecken. Tränen kamen mir in die Augen, als ich sie bleich vor mir liegen sah. Die Besten meines Zuges tot ! Erschossen von den Alpinis drüben. Selbst nahm ich das Gewehr und passte, und wie sich drüben etwas zeigte krachte es schon bei mir. Dort habe ich die ersten Menschen getötet. Aber ich tat es mit ruhigem Gewissen, ich tat es aus Rache. In späteren Jahren hat sich die Zahl schon gehäuft und ich glaube schon ca. 35-40 Welsche erschossen zu haben. Am ersten Tag waren es gleich 5 die, wie festgestellt wurde, gleich nach dem Schusse liegen blieben, und sich nicht mehr rührten. Der Gegner hatte es bald heraußen, woher die wilden Schüsse kamen und .............. den Stein hinter dem ich lag, mit Salvenfeuer. Dabei ging mein Periskop, das ich zum Beobachten hatte, pfutsch. Mitten durch den Spiegel schossen mir die Kerle. Wahrscheinlich waren gute Schützen drüben, und da hieß es aufpassen. Da bei Tage ein vorgehen unmöglich war, wurde für die Nacht ein Sturmangriff vorbereitet. Vom Wildkarleck sah man über das haarscharfe Grad Verstärkung , 2 Kompanien Alpini, gegen das Roßkar anrücken. Also wieder 3fache Übermacht. Bis 12 Uhr konnte ich schlafen, und legte mich zwischen die Toten und verfiel in Halbschlaf.

 

13. Juni 1915 Sonntag auf
Kote 2510 Roßkar - Spitze

Als ich geweckt wurde, war es bereits 12.00 vorüber und empfindlich kalt. Alles war zum Sturm bereitgestellt. Um 2.00 begann der Nachtangriff. Allen voran ging der einarmige Feldwebel Kinast, der schon in Galizien eine Hand verloren hatte, mit einer Handgranatenpatrouille von 10 Mann. Ihm folgte Fhr. Steiner mit dem 1. Zug. Mein Zug und der 4. Zug ( Fhr. Kopf ) blieben als Reserve. Totenstill war es, als die ersten über den Kamm vorschlichen. Lange dauerte es, bis sie in der stockfinsteren Nacht an die feindlichen Linien kamen. Da blitzte es drüben auf, die Handgranaten flogen in die welschen Gräben, ein großes Geschrei und Jammern. Da flog unsere Leuchtrakete in die Luft und beleuchtete auf kurze Zeit alles taghell. Aber schon setzte die feindliche Gegenwirkung ein. 4 Maschinengewehre hämmerten in die Dunkelheit. Gleichzeitig setzten die zum Angriff auf uns ein. In die feindlichen Gräben zu kommen war nicht möglich und so stürzten die Leute ganz eingeschüchtert, verfolgt von wütendem ital. MG-feuer zurück in unsere Linie. Der Sturm war misslungen. In der früh, als die Sonne den Kampfplatz beleuchtete, sah man drüben welsche Bajonettspitzen, an die unsere Kappen angebracht waren, hervorlugen. Mehrere Leute hatten wir wieder verloren. In den Frühstunden verschoben sich die italienischen Patroullien gegen Kote 2145 und in die Porze Felswand und beschoss uns von dort flankierend. Mein Zug hatte neuerlich Verluste und zwar: Inf. Bernauer, Inf. Kößler, Inf. Lobmayer und Inf. Droboli. Während des Tages fiel auch Josef Grill. Ständig umsummten uns Mücken und Fliegen, die bei den Toten Gastmahl hielten. Kadett Koch ist auf der Porze, feuert fest auf die Welschen. Der brave Kerl leidet sehr viel unter dem welschen Artilleriefeuer. Gestern und heute keine Menage und kein Wasser. Die Situation wird unhaltbar. Abends trifft Rückzugsbefehl ein. Wieder schlafe ich bis 12 Uhr nachts zwischen den Toten.

14. Juni 1915
Roßkarspitze – Obertillach – Winklertal - Kote1525

Während der Nacht einige Feuerüberfälle unsererseits, die der Italiener fest beantwortete, Haarscharf pfiffen seine Kugeln über den Gradwenige cm über uns. Beim Morgengrauen tritt die Kompanie den Rückzug an, den ich denken muss. War erste oben, der letzte unten. Unsere Toten schlichten wir zwischen die Steine. Hoffentlich erweisen ihnen die Welschen die letzte Ehre. Als die Kompanie weit genug unten war, kletterte ich mit meinem Zug über die Wand ab und erreichte unbehelligt das Tal, wo ich über Kote 1676 zurück auf Kote 1527 im Obertillachtal einrückte. Freitag wieder die Roßkarspitze. Mittags erst wagte sich der Gegner vor und besetzte den Berg vollendest. Patrone konnte wieder einen Sieg melden. So endete für uns der unglückliche Kampf um ein Stück der Karnischen Kette. Der Kampf um die Roßkarspitze. Psychisch waren wir unterlegen, aber moralisch wir die Sieger. Der 2. Zug ist auf der Gänze eingeschlossen. Diese Abteilung ist wahrscheinlich verloren.

Um ca. 10 Uhr Vorm. bin ich in der Reservestellung eingelangt und habe mich dort nach 3 Tagen das erste Mal gewaschen. Nach dem Frühstück, Wassertrinken wurde mir recht schlecht. Wegen. Verlustlisten und Belohnungsverträge zusammengestellt. Mein Zug hat 5 Tote, 9 Verwundete und 3 Vermisste, zusammen 17 Mann Verluste. Von 40 Mann habe ich nur noch 23 zurückgebracht. Ich selbst wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde zur Tapferkeitsmedaille 1. Klasse eingegeben und auch zum Kadett befördert worden. Mein Zug wurde ergänzt und ich marschierte über Befehl ins Winklertal ab um Kadettaspirant Kastaly ( Stephan Dr. Anm.d.R. ) dort abzulösen mit meinem müden Leuten schleppte ich mich über Hubendorf ins Winklertal, alle Augenblicke rastend und erreichten nach 10 Uhr Abends die Res. Stellung bei Kote1525.

15 Juni 1915
Im Winklertal bei Kote 1525

Habe in der Nacht schwer geträumt und dabei den Kastaly eins auf die Nase gegeben, das er lange geschwollen war. War im Traum im Kampfe mit den Italiener. Es sind hier auch Steininger und Untertillacher Standschützen hier (Kommandant Lt. Kreidl und 2 Standschützen Leutnants ) und Gendarmarieassistanz die alle unter mein Kommando gestellt wurden. Bin jetzt Kampfgruppenkommandant von Zererhöhe bis Hocheck. Ein schöner Abschnitt (siehe Skizze) ½ Zug marschiert in Stellung unter Kommando des Marode der andere Halbzug bleibt hier Reserve. Den ganzen Tag geschlafen hier gefällt es mir sehr gut.

16. Juni 1915
Winklertal bei Kote 1525

Habe Lt. Schönbichler die Gruppe übernommen und sie mit ihm besichtigt. Am Winklerjoch über Kote 2228 Höhe auf dem Gamskoffel gegangen. Dann wieder zurück in die Res. Stellung. Ein herrliches Gebiet ist hier. Alles rot von Alpenrosen und Ruhe, denn der Gegner ist hier weit weg.

17 Juni 1915
Winklertal obere Res. Stellung

Heute in die obere Reservestellung überstellt. Gestern keine Menage bekommen, dafür kann man ruhig schlafen. Kompanie ist noch auf der Grenze und hat seit 2 Tagen kein Essen und keine Munition.


18 Juni 1915
Winklertal- Hocheck – Obertillacher Tal - Tillach – Winklertal

Machte heute einen Patrouillengang über Hocheck u. Kote 2371 zur Kote 1527. Dort mit Hauptmann Plammer gesprochen. Koch ist heute von der Porze zurückgekommen und schaut furchtbar aus. Zurück über Obertillach wieder Reservestellung Winklertal marschiert. Situation unverändert.

19 Juni 1915
Winklertal Res. Stellung

Stellung wird ausgebaut. Bin Kommandant der Kampfgruppe Winklertal. Abends Alarm. Italiener will angreifen. Beziehe eine schlechte Erdhütte am Winklerjoch.

20 Juni 1915
Winklerjoch Kote 2245

Während der Nacht und des Tages furchtbarer Schneesturm. Eisig bläst der Wind über die Tauern. Die Posten schauen alle aus wie Schneemänner und haben mir Treue geschworen. Sie halten aus. Brave Leute.

21 Juni 1915
Winklerjoch Kote 2245

Heute ist das Wetter wieder besser. Aber kalt ist es schauerlich und keine Unterstände. Abends zurück in die Reservestellung Winklertal. Wurde heute für tapferes und beispielhaftes Verhalten als Zugskommandant vor dem Feinde zum Kadett in der Res. ernannt, mit Komp. 1./6. 1915

22 Juni 1915
Winklertal

Situation unverändert. Gehe jetzt auf die Gamsjagt. Einmal schon ein Kitz erwischt.

23 Juni 1915
Winklertal

Alles gleich. Reserve Cima Canale im Valle Visdende wurde maskiert. Abends starkes Gewitter.

24 Juni 1915
Winklertal

Ging in der Nacht auf das Winklerjoch und hätte bald nicht mehr zurückgefunden. Halb zerschunden kam ich mitternachts an. Mit Kadett Bäcker telefonisch gesprochen.

25 Juni 1915
Winklertal

Heute die ganze Stellung durch gegangen. Wetter schlecht. Fast immer regnet es.

26 Juni 1915
Winklertal

Den ganzen Tag Regen. Ein eintöniges Leben.

27 Juni 1915
Obertillach

Morgens nach Obertillach gegangen. Abends war es dort sehr lustig. Während der Nacht war ein Gewitter und es regnete durch den Plafond in mein Bett. Das erste Bett seit Friaul Dürenstein, Situation unverändert.


28 Juni 1915
Winklertal

Um 2 Uhr von Obertillach abmarschiert und um 6 Uhr abends in Reservestellung Winklertal angelangt.

29 Juni 1915
Winklerjoch

Reserve Cima Canale wurde von Grenzbatterien beschossen. Ging zu Grund. Steinacher Standschützen und ich werden morgen abgelöst.

30 Juni 15
Winkler Joch – Obertillach

Durch 1. Komp. heute abgelöst ( Durch Kadett Franz Narobe weiters 26. Marschkompanie unter Lt. Prix, 3. Kompanie und 125 Mann, Anm d.R.). Marschierte nach Obertillach. Beim Bürgermeister am Ofengestellt übernachtet.

1 Juli 1915
Tillachertal Kote 1527

Mittags von Obertillach in die Reservestellung marschiert. Dort mit meinem Zug übernachtet. Die Leute mussten sich erst Unterstände bauen.

2. Juli 1915
Auf Bärenbadeck (cvoda nero / Croda negra ) Kote 2433

Mittags Abmarsch auf Bärenbad Eck. Nach 3- stündigen anstrengenden Steigen endlich oben angelangt. Löse Herrn Lt. Kopf ( Kopf Andreas Anm.d.R.) ab. Batterie vom otelone und vom Schierome schießt immer herunter. Das wird auf die Dauer nett. Mein Unterstand ist ein elendes Erdloch.

3 Juli 1915
Bärenbadeck

Bei Kommandant der Gruppe Bärenbadeck. Kommandant Fhr. Steiner besucht, der bei Kote 2293 ist. Während der Zeit beschoss Artillerie im Kellergeschoss mir drüben die mühsam aufgebauten Abdeckungen. Gottlob keine Verluste. Hier fiel vor 2 Tagen Infantrist Klaus ein Jugendkollege von mir durch Artillerievolltreffer

(*Ein Klaus Anton 2./X. wird in Hoen S. 565 als bei den Lepozzekämpfen gefallen vermerkt. In der Gefallenliste des Regiments taucht dieser nicht auf. Dafür ein 1916 gestorbener Karl Klaus. Anm.d.R.)


4 Juli 1915 Sonntag
Bärenbadeck

Stellung visitiert. Abends bei Fhr. Steiner. Hier sieht man schon auf Roßkar und Filmoor. Auch das Valle visdende und Mte Tridajv (Fridajo ?) ist prachtvoll anzusehen. Manches mal wenn ich die Tauern sehe, packt mich starkes Heimweh.
Skizze der Stellung am Bärenbadeck
Rot eigene Stellung. Grün meine Standpunkte.

 

5 Juli 1915
Bärenbadeck

Stellungswechsel. Bezog Gruppe Koch links im Bärenbadeck. Habe heute scheußliche Magenkrämpfe bekommen. Kein Wunder. Fast immer kaltes Essen. Dazu regnet und hagelt es fast jede Stunde.


6 Juli 1915
Tillachertal

Situation unverändert. Ging heute, da ich Fieber habe zurück in die Reserve Stellung Tillachertal. Dort übernachtet.


7 Juli 1915
Obertillach

Morgen nach Obertillach gekommen und zur ärztlichen Untersuchung gegangen. Doktor Angermaier konstatiert starke Erschöpfung. Bleibe in Obertillach. Schlafe im Zimmer des Medizinalrat Dr. Dietrich.

9, 10 und 11 Juli

Krank in Obertillach

12 Juli 1915

Krank in Obertillach. Heute wird Obertillach zum ersten Mal mit Granaten kleineren Kalibers beschossen. Die Bauern sind ganz aus dem Häusl und rennen planlos herum. Auf der Filmoorhöhe sind starke Angriffe. Die Welschen sind zwar abgezogen, aber wir haben empfindliche Verluste.

13 Juli 1915
Feldspital Toblach

Wurde heute nach Toblach abgesendet. Von Kartitsch mit Wagen nach Silian und dort mit Bahn weiter nach Toblach. Abends angekommen und habe ich ein herrliches Bett bekommen. Die deutsche Musik spielte uns schöne Weisen. Neuerdings Heimweh bekommen.

14 Juli 1915

Toblach Spital

Arzt konstatiert starke Übermüdung und rheumatische Erscheinungen. Wurde ganz eingewickelt und muss den ganzen Tag liegen. Mein Nachbar ist Kadett Krieglo der einen Oberschenkelschuss auf der Cvoda del Argkena bekommen hat, als sie verloren ging.

15 Juli
Feldspital 2 des roten Kreuz in Toblach

Hier ist es wunderschön. Herrliche Betten. Gute Pflege. Ich erhole mich zusehends. Vom Höhlensteintal aus starker Geschützdonner bemerkbar. Spital ist im südlichen Friaul untergebracht.


16 und 17 Juli 1915
Feldspital Toblach

Am Monte Piano greifen die Italiener stark an, ohne etwas zu erreichen. Starker Geschützkampf vernehmbar. Auch von uns kommen Verwundete. Gegner hat auf Filmoorhöhe einige Meter angegriffen, wurde aber getroffen. Schießl, Inft. der 4 Komp. an Blasenschuss heute im Spital gestorben. Wurde am Soldatenfriedhof Obertoblach beerdigt.

18 Juli 1915

Feldspital Toblach

Das liegen wird schon fad. Morgen gehe ich zurück in die Stellung. Italiener neuerdings auf Filmoor stark angegriffen. Ohne Erfolg.

19 Juli 1915
Toblach – Obertillach

In der Früh vom Spital nach Innichen. Dort Einkäufe besorgt und vom Asti Spumanti ( 5 Flaschen Wein) italienischer Champagner einen elenden, mordsmäßigen Rausch gekriegt. Habe glücklicher Weise unseren Postwagen erwischt und kam nach vielen Erlebnissen (in Tillian habe ich noch manches angestellt) zerschunden, zerfetzt und noch betrunken nach Obertillach. Auf den schlechten Wegen war dies eine Fahrt die das Leben hätte kosten können. Nach Mitternacht in Obertillach angekommen.

20 Juli 1915
Obertillach- Innichen -Obertillach

Heute wieder die gleiche Tour gemacht, da ich in Innichen etwas vergessen hatte. Neuerlich zu viel getrunken. Um 1:30 Nachts in Tillach mit furchtbaren Karter angelangt.

21 und 22 Juli
Obertillach

Ganz verkatert in dem elenden Saunest. Ein deutscher Stabsarzt und seine königliche Hoheit Prinz Heinrich von Bayern auf Besuch in der Messe. Das Baonskommando hat es schön, sitzt in Häusern und ich kann wieder in die Erdlöcher zurück. Lt. Schuh ( Eduard lt. Regimentsliste Fhr und am 25. verwundet. Anm.d.R.) durch eigene Unvorsichtigkeit verwundet wurden. Die Lehrerin von hier, ein grässliches Weib hält es mit unsern R.U.Offizier Feldwebel Riedl. Folge: in 6 Monaten einen Stammhalter, für ihn recht unangenehm.

23 Juli 1915
Tillachertal _Kote 1527

Bei strömenden Regen bei Kote 1527 angekommen. Heute statt große die kleine Silberne erhalten. Abends Trinkgelage erhalten.

24 Juli 1915
Kote 1527 Bärenbadeck

Gestern wurde ein neuerlicher Angriff auf Roßkar besprochen, dass wird einen Metzgerei und ich soll wieder hinauf. Mittags auf Bärenbadeck einmarschiert. Manches überraschte mich, ein fungiertes Desaster und ich irrte im Regen und Nebel ohne Fußsteig herum. Nach 5 Stunden oben angekommen und Abschnitt Koch übernommen. Koch geht zu einem Streifenkommando ab. Schade um ihn. Er hat o 1 und o 2 ( o = TKM - Silberne Tapferkeitsmedaille 1 und 2 Klasse. Anm.d.R. ) . Todesmüde seine Erdhütte bezogen. Früheres Loch wo ich wohnte ist mein Magazin.

25 und 26 Juli 1915
Bärenbadeck

Chinabatterie schießt gut. ( am Chinasattel zwischen Demut und Roteck postiert. Benannt nach Geschützen, die nach China exportiert werden sollten. Anm.d.Red. ) Lt. Zehert einmal bei mir. Denn ganzen Tag Regen.

27 Juli 1915
Obertillach

Ablösung durch Ldst Baon 29. Nach langem hin und her um halb 2 Uhr einmarschiert. In der Reserve Stellung kurze Rast und dann nach Obertillach. Dort war abends ein langes Trinkgelage, dass bis spät nachts dauerte. Um 2 Uhr früh ins Bett, diesmal kein Schwips.

Retablierung in Innichen

28 Juli 1915
Innichen

Um 6 Uhr Vorm. Abmarsch aus Obertillach. Ade Karnischer Kamm. In Kartitsch Empfang und Frühstück bei Prinz Heinrich. Hierauf Defilierung. In Sillian Einquartierung bei strömenden Regen. Mannschaftsquartier Ldst Kaserne. Ich wohne im Weißen Rössel.

29 Juli 1915

Beginn der Retablierung. Ausbessern von Montourstücken. Offiziersessen im Gasthaus zum Hellenstainer. Mittagessen sehr gut ( Kronen 2, 70). Abends essen wir wo wir wollen. Kommando des 4 Zuges übernommen. Beschäftigung von 6-11 Uhr vorm. und 2 - 6 Uhr nachm. Abends schon wieder einen Schwips.

30 Juli 1915

Unverändert. Wie wohl es doch da tut auf so viele Tage Tschoch.

31 Juli 1915

Italiener beschießt extrem und Innergsell stark.

1 August 1915 Sonntag

Vm Kirchgang und dann Defilierung. Messe des Weihbischof Afr. Strizt. Nm Abmarsch der Landesschützen aus Innichen. Kommen am Isonzo. Abends recht lustig.

2 August 1915

Nach Brunneck gefahren um Einkäufe zu besorgen. Bei der Rückfahrt nach Niederdorf nur gefahren und dort die Herren der Komp. getroffen. Abends in Innichen. Kompanie auf Entrüstung v. Toblach.

3, 4 und 5 August

Unverändert.

6 August 1915

Scharfschießen am Schießstand. Sexten fremd. Hätte heute bald Fhr. Steiner in den Fuß geschossen. Abends bei der „Post“ Hermine eingebrochen.

7 August 1915

Abends schwere Sitzung im „Weißen Rössel.“ Ich wurde noch um halb 2 nachts aus dem Bette geholt und musste mittun. Wegen eines Streites kam es noch zwischen Lt. Rechnungsf. Manastyrski ( Peter Anm.d.R. ) und dem Fhr. Steiner und Feldwebel Wagner ( Josef Anm.d.R.) zu einem Krach. Fhr. Fuchsberger schlief unterm Klavier. Alles war voll beladen. 5 Uhr ins Bett.

8 August 1915

Natürlich schlimmer Katzenjammer. Nm Wagenpartie nach Toblach-Toblachersee und Untertirschlag, wobei es zwischen Fhr. Hager und Kadett Finke ( Ferdinand Anm.d.R. ) zu einem Reconse kam. Abends wieder schwere Sitzung.

9 August 1915

Das nennt sich Retablierung mit schwerem Hammer bei einem schlecht gelaunten Häuptling Kompanie erziehen zu müssen. Heute war Hptm. Plammer „hektisch“ wild und war der Exerzierplatz eine Schinderwiese. Dazu noch Garnisonsinspektion bekommen und statt meinem Kater auszuschlafen musste ich noch fest herumrennen. Welt du bist ein Schinderloch.

10 August 1915

Hauptmann Plammer und Oblt. Stuppöck Militär Verdienstkreuz bekommen. Oblt. Kopf, “Signum” ( Kopf Andreas Signum Laudis Anm.d.R.) . Letzterer liegt hier im Spital und wird morgen zwecks Blinddarmoperation nach Innsbruck abtransportiert. Wie beneide ich ihn. Abends große Hetz bei der „Post-Hermine“. Um 1 Uhr ins Bett getragen.

 

11 August 1915

Heute erfahren, das das Baon am Monte Piano kommt und unsere Kompanie nach Schluderbach. Gerade an die schlechteste Stelle. Bin neugierig wie das weitergehen wird. Hauptmann ( Plammer Anm.d.R.) rekognosziert (Ein Gelände, Terrain oder den Feind erkunden. Anm d.R ) heute die Schluderbachstellung. Sonst wieder heute fades exerzieren.

Schluderbach und Westhang des Monte Piano

12 August 1915
Innichen – Schluderbach

Kompanieinspizierung durch Generalleutnant Krafft von Dellmensingen (Generalleutnant Krafft von Dellmensingen war zum Kommandeur des Deutschen Alpenkorps. Anm.d.R. ) Feldmarschallleutnant Goiginger und Generalmajor Bankowsky. Nur Steiner und ich hatten natürlich keine Marschausrüstung. Hierauf Defilierung, die ganz gut klappte. Gerade als ich mich hundsmüde wieder legen wollte Alarm. Da der Italiener in Schluderbach angreift, marschiert die Komp. gleich heute ab. Rückschlag verdammter und ein Gefecht auch gleich. Um 3 Uhr Nm Abmarsch gerade als die Italiener wieder extrem stark beschießen. Bis Toblach kamen wir dann ging ein starkes Gewitter nieder und im strömenden Regen erreichten wir Strockerboden. Dort Rast. In der Dämmerung ging es weiter über Landro gegen Schluderbach.

Das Gefecht am Piano Westhang
Freitag der 13 August1915

An den Tag werde ich denken mein Leben lang. Zuerst der endlose Marsch über Landro, entlang des Dürrensees, zur Grenzbrückenstellung und dann das andere. Zum ersten Mal hatte ich vor der Artillerie Respekt. In stockdunkler Nacht huschten wir gestern durch das tropfende Gebüsch. Alle Augenblicke sauste eine Granate über die Köpfe und dabei finster, das man seinen Vordermann nicht sah. Endlich erreichten wir den Standpunkt der R.I. Hauptmann Lichy ( Major der XII/Lsch. III Anm d.R. ). Dort wurden wir Offiziere orientiert und konnten dann ausrasten. Vom Schlachtfeld war ja keine Rede. Zusammengedrängt, weil uns so weniger fror, die Decken über den Kopf gezogen, saßen wir am nassen Boden und stierten uns an. Feuer durfte wegen Feindesnähe keines gemacht werden. So saßen wir einige Stunden unter den Bäumen, als es um 2 Uhr nachts zwischen den feindlichen Linien und der eigenen Linie immer in heftigeren Rennen bergauf ging. Denn Marsch vergesse ich nie. Immer und immer sind wir abgerissen und auf den steilen Weg absolut nicht weiter gekommen. Endlich als wir oben waren nach dreistündigen Steigen wurde der 3. und 4. Zug (Kommandant Kadett-Aspirant Josef Mayr und ich ) der Angriffsgruppe Hptm. Gröschel ( XII/Lsch. III Anm.d.R. ) unterstellt, die zusammendividiert mit Radfahrer- und Kaiserschützenkompanien die Italiener angreifen und werfen sollten ( Radfahrkompanie 20 unter Oberleutnant Lerch und 24 unter Oberleutnant Klaus der am 13. fällt. Anm. d.R. ).

 

In kleinen Erdlöchern und Felsnischen schlief die Mannschaft und kam bei unserem Abmarsch ganz verstört herangezogen. Sie mussten böses mitgemacht haben, denn aus ihren verstörten Gesichtern konnte man Angst sehen. Ein schönes Zukunftsbild. Nein ich sollte sehen, das ich mit meinen schlimmen Hoffnungen nicht schlimm enttäuscht wurde. Während die halbe Komp. des Hptm. Plammer ( 2./X. Anm d.R.) hinaufmarschierte verkrochen wir uns unter Felsen um die Artillerieschießerei abzuwarten. Todmüde war ich hinter einem Baum sitzend eingeschlafen, als die ersten Schüsse von Plötzwiese zu kurz gingen und um uns herum sausten winkten wir mit der gelben Fahne nützte mir nach langer Zeit. Also schon ein schöner Anfang. Eigene Artillerie beschoss uns.

Ich glaube es war ca. 8 Uhr Vm als mit der Vorrückung begonnen wurde. Unbehelligt stiegen wir einen Teil einer steilen, mit Latschen verwachsenen Wiese bergan. Kaum waren wir ober den Felsen angelangt, als uns wahnsinniges Feuer überraschend empfing. Eine Menge der Leute wurden getroffen und so mancher Augenblick hängt mir noch in Erinnerung. Gleich darauf begann auch die feindliche Artillerie Sperrfeuer zu legen. Mit allen Kalibern beschossen sie und das gut. Mitten in uns hinein prasselte es hinein in der Minute 25-30 Schuss. In Rauch und Staub war alles gehüllt. Ich wurde an der rechten Hüfte von einem absausenden Stein getroffen, der mich ein Stück die Bergwiese herunterriss. In wenigen Minuten war ich wieder oben. Da ich mich orientieren wollte wo die feindliche Stellung sei bin ich rechts gegangen die Felswand zu und wollte auf einen kleinen Baum, als es schon krachte. Knapp vor mir schlug eine 15 cm Granate ein. Bin ich selbst zurück vor schrecken, oder hat mich der Luftdruck umgedreht ich weiß es nicht. Ich sehe nur noch den Baum fallen und ich fiel auch. Einige Male spürte ich einen Aufschlag dann wurde es schwarz. ca. 12 m bin ich über den Stand hinuntergefallen. Wie ich auf den Hilfsplatz, der am Fuße des Monte Piano lag kam, weiß ich nicht mehr. Halb wurde ich gezogen, halb fiel ich und halb rannte ich durch das Gebüsch. Mich hatte vor den Granaten ein panischer Schreck erfasst. Beim Hilfsplatz selbst das größte Durcheinander.

Der Kommandant Hptm. Lichy ( Major der XII/Lsch. III Anm d.R. ) war nirgends zu finden und niemand wusste, wo die anderen Kommandanten waren. Da hieß es die Italiener sind durch. Zurück, zurück. Zudem sollte ich das Kommando als Verletzter über die ganze Stellung übernehmen. Welsche Artillerie beschoss ganz wahnsinnig Schluderbach und alle anderen Zugänge und das Gedöse im Tale wollte kein Ende mehr nehmen. Nach einer heftigen Streiterei mit Oblt. Zach ging ich zurück umgeben durch Schrapnells und gelangte durch das feindliche Sperrfeuer. Manchesmal musste ich noch laufend und springend Schutz hinter Steinen suchen, wenn die Kugeln gar zu nahe kamen. Eine Schrapnellkugel ging mir durch Mantel und Hose und ein Sprengstück zerfetzte mir die Uniform bei der Schulter ohne mich zu verletzten. Durchaus nass erreichte ich nach drei Stunden Marsch den Hilfsplatz bei der Mastwand. Die Leute haben sich geschreckt vor meinem Aussehen. Über und über voll Schmutz und im Gesicht voller Blut, sehe ich wohl einer Wahnsinnsgestalt als einem Menschen ähnlich. Ich habe mir die rechte Wange teilweise heruntergerissen die halben Zähne mir eingeschlagen und auch Prellungen am Körper erlitten und bin voller blauer Flecke.

Samstag, den 14 August 1915
Strockerboden

In der Früh wurde ich durch einen starken Donnerschlag geweckt. Der 30, 5 cm Mörser der vor der Baracke stand hatte seinen ersten Schuss abgegeben. Die Fensterscheiben wurden alle total zertrümmert und mich warf es vom Divan, auf dem ich geschlafen habe herunter. Die Kleider sind heute noch alle feucht. Mittags bin ich wieder vom Strockerboden weg zum Arzt nach Galizien. Der pinselte mir die Wange mit Jod ein und schickte mich wieder fort. Am Abend ging ich mit Train zurück zum Piano Hang. Verlor aber meine Leute und blieb bei Lt. Prix in der Schluderbachstellung über Nacht.


Sonntag der 15 August 1915

Aufstieg wegen Feind unmöglich. Blieb bei Lt. Prix.
Habe den ganzen Tag in der Reserve Stellung Schluderbach in einer Reisighütte geschlafen. Bin körperlich ganz fertig.

Montag 16 August 1915
Westhang Monte Piano

Im Laufe des Vmes in die Stellung aufgestiegen und kam ich totmüde oben an. Eine kleine Hölle ist mein Nachtquartier. Noch immer pfeifen die Welschen Kugeln herüber. Kadettaspirant Deutsch ( Max Anm.d.R. ) ist mit einem Zuge auch hier in dieser schäbigen Stellung. Hptm. Plammer ist heute hinaus zum Stockerboden.

17 August 1915

Miserabel geschlafen. Die Füße ließ ich bei der kleinen Hölle hinaushängen. Drinnen war es schauderhaft schwül und draußen regnete es. Da meine Oberkieferverletzung nicht besser wird, gehe ich auf Anraten des Hptm. zum Dr. Angermayer nach Toblach ab. Im Spital bei der nassen Wand übernachtet.

18 August 1915

In Toblach bei Dr. Angermayer. Zur Heilung meiner Verletzung muss ich nach Innsbruck in die Zahnklink. Übernachtet bei Feldwebel Riedl ( RUO Eduard 4./X. Anm.d.R. ) Am Stockerboden.

19 August 1915
Stockerboden – Innichen

Morgen mit Feldwebel Riedl nach Toblach und Innichen. Im Südbahnhotel (Spital) Kadett Mayr ( Mayr Josef, verwundet am 14.8. Anm.d.R. ) besucht, der Nierensteckschuss hat. Er wurde heute abtransportiert. Mir ist abends schaurig schlecht geworden.

20 August 1915
Stockerboden – Innsbruck

Um 7 h früh von Nasswand weg nach Toblach und mit Zug nach Franzensfeste. Um 5 h Nm in Innsbruck und wurde ich per Auto in die Zahnklinik überführt. Im Hotel grauer Bär einquartiert.

Im schönen Innsbruck ( Im Garnisonsspital )

Sonntag den 21 August 1915

Vorm. in der Zahnklinik. Habe währen der Wartezeit gesehen wie dort die Leute geschunden wurden und bin ins Garnisonsspital zu Oberstabsarzt Merk gegangen, der mich dann in den Stand des Spitales aufgenommen hat. Wohne vorläufig noch privat, da im off. Pavillion momentan kein Platz ist. Mit meiner schmutzigen Uniform kann ich fast nirgends hingehen.

Sonntag, der 22 August 1915

Finke ist auch hier ein Lümmel ( San. Kdt. Finke Ferdinand verw. Am 14.8. Anm.d.R. ). Kopf und Mayr sind hier im Spital. Spaziergänge durch Innsbruck.

Montag, der 23 August 1915

Hurra! Laut Telegramm kommt morgen Mutter, bringt Geld und Uniform. Abends im Kino.

Dienstag, der 24 August 1915

Ein schöner Tag. Heute war Mutter mit Marichen hier. Wie freue ich mich das ich sie gesund wieder sehe. Vorm. habe ich beiden die Stadt gezeigt und zum Mittagessen ins Breinössel geführt. Nm mit ihnen nach Hall gefahren, sind aber bald wieder zurück und auf die Hungerburg hinauf und über Hötting ( nördlich des Inns gelegener Stadtteil Katastralgemeinde Innsbruck. Anm d.R.) herunter. Um 10 h entführte der Zug die beiden mir wieder.

25 August 1915

In den Stand des Spitals getreten. Finke, Mayr sowie Korporal Asböck besucht . Heute teuflische Schmerzen gehabt.

26 August 1915

Vm in Hall und in Absam. Nm im Kino und am Bummel. Abends beim Zahnarzt das verdirbt immer den ganzen Tag.

27. August 1915 – 31.August 1915

In ärztlicher Behandlung. Mache oft schöne Spaziergänge. Sonst alles beim alten.


Das Original wurde in Kurrentschrift geschrieben.
Übersetzung Erni Gurtner,
Reinschrift Stefanie Lang
Korrektur Sabine Lacchini Lang


Es wurden keine Korrekturen vorgenommen, unlesbare Stellen mit ____ gekennzeichnet. Die Rechtschreibung des Verfassers wurde im westlichen beibehalten. Anmerkungen der SWGR wurden in Klammer gesetzt.