Gefallen für das Vaterland, am Beispiel der evang. Gemeinde Gosau

( Projektleitung: KommR Dr.h.c. Otto Peter Lang )

 

Aufruf an die Bewohner der Pfarrgemeinde Gosau. In wenigen Jahren wird sich der Ausbruch des I. Weltkrieges zum 100. Male jähren. Aus diesem Anlass versucht die Salzburger Wehrgeschichtliche Rainerforschung, am Beispiel der evang. Gemeinde Gosau, die Geschichte der für Gott, Kaiser und Vaterland in den Krieg gezogenen – und verstorbenen – Soldaten zu rekonstruieren.

 

Wir wissen von 41 Gefallenen der Pfarrgemeinde und können das Schicksal dieser „Rainern“ und ihrer Angehörigen teilweise nachvollziehen. Leider fehlen zu allen Gosauern die „Gesichter“.

 

Wir suchen Sterbezettel, Feldpost, Fotos aus der Zeit des I. Weltkrieges. Oft liegen diese noch in Kartons aus Omas Zeiten auf dem  Dachboden. Setzen Sie sich bitte mit KR Otto Peter Lang, unter der Nummer 0664/105 8 105 oder Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! in Verbindung. Die Forschungsstelle erreichen sie unter „HOME“ auf der Webseite www.rainerregiment.at . Helfen Sie bitte mit, die Geschichte Ihrer Heimat zu erhalten.

 

Vorgeschichte

 

Gosau gehört zu den wenigen evangelischen Gemeinden in Österreich. Ca. 71 % der Einwohner sind evangelisch A.B. Die evangelische Gemeinde Gosau war 1914 - 1918 eine kleine , relativ geschlossene, Gesellschaft. Deswegen eignet sie sich besonders die Auswirkung des Krieges auf die Familien zu betrachten. 41 Soldaten der evangelischen Gemeinde sind in dieser Zeit gefallen ( rund 89 % der gefallenen Gosauer ) und wir haben hier ihre Geschichte und Familienstand rekonstruiert.

 

Lage

 

Gosau liegt, weit gestreut, am Gosaubach im Salzkammergut, in einem durch den Gosauzwang versperrten Seitental des Trauntals, mit Mündung in den Hallstättersee. Das Gosautal, das vollständig von der Gemeinde eingenommen wird, verläuft in einer Talschlucht ostwärts, wendet sich dann südostwärts und weitet sich zu einer Talmulde, dem Gosauer Becken, die den Hauptsiedlungsraum bildet. Vom Ort Gosau aus führt über die hintere Talenge eine Straße hinauf zum Vorderen Gosausee. Dort bietet sich eine schöne Sicht auf den Dachstein, wo das Gosauer Hintertal mit dem Hinteren Gosausee in südwestlicher Richtung genau auf den Hauptstock des Dachsteinmassiv zuläuft.

 

Die Talregion bildet eine Subregion der Oberösterreichischen RaumeinheitSalzkammergut-Talungen, die Bergräume gehören zu den Salzkammergut-Voralpen. Den Nordrand des Tals bilden HochkalmbergRußberg der Osterhorngruppe, den Südraum die Plassengruppe und Schwarzkogelgruppe als Vorberge des Dachsteingebirges. Die, landschaftlich dominierende Grenze im Westen bildet der Gosaukamm (Donnerkogel 2.055 m, Großwand 2.415 m), vorgelagert die Zwieselalm, an dessen Nordausläufer (Hornspitze) der Pass Gschütt als Übergang in das Salzburgische Lammertal den einfachsten Zugang zur Talung darstellt. Der Gosauszwang ist aber heute durch die B 166 erschlossen, die von Gosauzwang am Hallstättersee über Gosau – Paß Gschütt – Rußbach – Abtenau – Annaberg zur Tauernautobahn bei Niedernfritz in den Ennspongau verläuft.

 

Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 13,1 km, von West nach Ost 17,4 km. 58,9 % der Fläche sind bewaldet. Der Hauptort Gosau liegt auf 767 m Höhe. Die Gemeinde besteht aus einer Katastralgemeinde (08675), und (taleinwärts) aus den Weilern Klaushof, Bärnau, Jagerbauer, Vordertal , Grafner, Ramsau, Ortschaft Gosau, Auer, Kirchschlag, Steinermühle, Mittertal , Ötscheranger, Kranabet, Hintertal mit Gosauschmied. Der zuständige Gerichtsbezirk ist Bad Ischl.

 

Geschichte

 

Das Tal um Gosau wurde im 13. Jahrhundert von Mönchen aus dem Stift St. Peter in Salzburg besiedelt. Die erste urkundliche Nennung Gosaus erfolgte im Jahr 1231. Die meisten lebten von Waldwirtschaft und lieferten das Holz nach Hallstatt für die Salzgewinnung. Viele Landwirte betrieben eine Alm. Diese Almen sind heute noch größtenteils erhalten.

 

Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.

 

Die Sympathie und Aufnahmebereitschaft für die Lehre Martin Luthers entwickelten sich schon zur Zeit der Reformation. In der Chronik der Katholischen Pfarrgemeinde wird berichtet, dass protestantische Soldaten die neue Lehre 1525 im Tal verbreitet haben. Weitere Geschichtsforschungen haben gezeigt, dass die Lehre Luthers wohl tiefe Wurzeln geschlagen hat, denn bis zur 2. Hälfte des 16.Jahrhunderts war fast die ganze Bevölkerung evangelisch. Unter Ferdinand II (1619-1637) begann die massive Gegenreformation, als er 1624 ein "Generalreformationspatent" erließ, wonach alle innerhalb eines Jahres katholisch werden oder auswandern mussten. Es begann die Zeit bekannt des sogenannten "Geheimprotestantismus". Nun konnten die Evangelischen nur noch geheime Gottesdienste und Andachten halten , meist auf einsamen Almhütten oder in einer Felshöhle. Im Winter versammelte man sich in einem entlegenen Bauernhof zu Andacht und Gebet. Von Bayern her, besonders aus Nürnberg, wurden die Gosauer weiterhin mit Bibeln und Gebetsbücher versorgt. Die Bücher wurden auf schwierigen Umwegen über die Grenze geschmuggelt. Unter der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) wurden die Rekatholisierung noch strenger. Wer öffentlich und hartnäckig am neuen Glauben festhielt, wurde nach Ungarn und Siebenbürgen verschleppt. Als man Hunderte von Evangelischen auf die Donauschiffe verladen wollte, mussten sie sich vorher von ihren Kindern trennen. Diese mussten im Land zurückbleiben und wurden "christ-katholisch" erzogen.

 

Nach der Unterzeichnung des Toleranzpatentes Kaiser Joseph II am 13. Oktober 1781 wurde das Patent er im Dezember im Gosautal öffentlich verlesen . Die meisten Gosauer waren zunächst skeptisch und misstrauisch und wagten es nicht, sich für die evangelische Religion nach dem Augsburgischen Bekenntnis eintragen zu lassen. Da trat eine einfache Holzknechtswitwe hervor, Brigitte Wallner, und ließ sich als erste Einschreiben. Nun wäre das Eis gebrochen, und nach ihr ließen sich viele weitere Gosauer in die Erklärung eintragen, insgesamt 1086 Personen. Zunächst gehörte die neu entstandene Pfarrgemeinde zum Pastorat Goisern. Nachdem die Bestimmungen für das evangelische Leben kein Glockengeläut erlaubten , wurde 1784 ein einfaches Bethaus errichtet, ohne Turm oder andere "Erkennungsmerkmale" einer Kirche. Später, als das Protestantenpatent vom 8.April 1861 alle Einschränkungen der religiösen Freiheit beseitigt hatte, wurde eine neu gotische Kirche als wuchtiger Steinbau errichtet. Eingeweiht wurde die Kirche am 15. September 1869.


 

 

 

Gefallene Mitglieder der evang. Gemeinde Gosau

Rang Name Vorname Einheit Verstorben Todesort Todesart
Parouillenführer ASCHAUER Johann KSCHR 1 1915.12.01 Doberdo vermisst
Infantrist EGGER Friedrich Ernst IR 59 1915.08.31 unbekannt unbekannt
Oberkanonier EGGER Gottlieb Fest. Art.Batt. 8/14 1915.09.31 Sarmakand KGL unbekannt
Infantrist EGGER Johann Cornelius IR 59 1916.08.06 Monte Cimone unbekannt
Infantrist EGGER Josef KSchDion 1918.10.11 Udine unbekannt
Infantrist FASL Gustav Daniel KSCHR 1 1915.08.03 Doberdo vermisst
Infantrist FASL Johann IR 59 zu. 3./107 1916.06.16 Col del Rosso unbekannt
Infantrist GAMSJÄGER Franz LIR 2 1914.09.15 Zaleszany Kopfschuß
Infantrist GAMSJÄGER Friedrich Traugott KSCHR 1 1915.08.02 Doberdo vermisst
Infantrist GAMSJÄGER Heinrich IR 59 1914.09.01 Hermanowsk verm. in Strohhaufen verbrannt
Infantrist GAMSJÄGER Heinrich IR 59 1917.06.20 Heimat Tuberkulose
Infantrist GAMSJÄGER Heinrich Viktor IR 59 zug. Landsturm Baon 160 1916.12.13 Adamellogruppe Lawine
Gefreiter GAMSJÄGER Johann Cornelius IR 59 1914.10.18 Galizien vermisst
Infantrist GAMSJÄGER Josef IR 59 1918.06.18 Col del Rosso unbekannt
Infantrist GAMSJÄGER Josef Theodor IR 59 zug. Geb.Art.Reg. 8 1917.03.20 Lepsi szent Györgi Gehirnhautentzündung
Infantrist GAPP Josef KSCHR 3 1916.10.17 Fleimstal unbekannt
Infantrist LASERER Josef  Alfred LIR 2 1915.03.26 Karpathen vermisst
Infantrist LICHTENEGGER Karl Geb.Art.Reg. 8 1915.08.03 Straßkoje KGL Typhus
Infantrist PACHLER Johann IR 59 2. Komp. EStB 1918.06.15 Col del Rosso Granate
Infantrist POMBERGER Josef Sapp.Baon 14 1918.02.02 Kreuzberg Fußamputation
Infantrist PROMMER Gottfried IR 59 1915.05.08 Duchow unbekannt
Gefreiter REITER Gottlieb IR 59 1916.08.14 Mezzolombardo Rotlauf
Infantrist ROTH Johann LIR 2 1917.01.06 Bosteck unbekannt
Infantrist SCHIFFBÄNKER Gottfried FJB 8 1915.02.06 Gefangenschaft verschollen
Infantrist SCHIFFBÄNKER Paul IR 59 zug. Landsturm Baon 65/II 1918.10.28 Pola Lungenentzündung
Infantrist SCHMARANZER Johann Franz IR 59 1916.10.12 Heimat Rippenfellentzündung tuberkulös
Infantrist SCHMARANZER Josef IR 59 1914.10.19 Rawaruska vermisst
Infantrist SCHRITTWIESER Johann KSchR 2 1918.02.19 Fontanasecca unbekannt
Zugsführer SOMMERER Leopold IR 59 1915.05.03 Zuckerhüttl unbekannt
Infantrist SPIELBÜCHLER Balthasar KJR 2 1916.05.16 Rovereto unbekannt
Infantrist STEINBRECHER Paul Raimund IR 59 1916.02.09 Jaroslaw unbekannt
Infantrist URSTÖGER Johann IR 59 1916.01.20 Orlau Lazarett Schulter- u. Halsschuß
Infantrist URSTÖGER Josef LIR2 1914.09.15 Zaleszany vermisst
Infantrist URSTÖGER Leopold IR 59 1918.06.16 Monte Melago unbekannt
Infantrist URSTÖGER Paul IR 59 1915.08.17 Luck Umgebung Cholera
Infantrist WALLNER Friedrich IR 59 1917.11.17 Castello Bernetta unbekannt
Infantrist WALLNER Heinrich KSCHR 1 1915.05.04 Wien Gehirnhautentzündung
Infantrist WALLNER Johann Geb.Art.Reg. 8 1916.06.16 Monte Meletta unbekannt
Infantrist WALLNER Josef Art. Reg. 28 1918.08.20 Wien Tuberkulose
Infantrist WALLNER Josef IR 59 1918.06.18 Frenzellaschlucht Gasvergiftung
Infantrist WALLNER Leopold KJR 2 1918.07.12 Prag Lungenentzündung
unbekannt HERZOG Johann unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt
unbekannt MOSLEHNER Felix unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt
unbekannt POINTINGER Franz unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt
unbekannt POKORNY August unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt
unbekannt TRANINGER Johann unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt

 

 

Die Infantristen Herzog bis Traintinger sind keine Mitglieder der evangelischen Gemeinde und fallen nicht in die Statistik.

 

Gefallenenstatistik:

 

Familienstand:

Verheiratet: 13

Verwitwet: 1

Ledig: 27

Kinder der verheirateten Soldaten 21:

Keine Kinder: 3

Ein Kind: 3

Zwei Kinder: 5

Drei Kinder: 1

Vier Kinder: 0

Fünf Kinder: 1

 

 

Alter der Kinder bis:

1 Jahr: 3

2 Jahre: 4 ( davon eins verstorben )

3 Jahre: 3

4 Jahre: 0

5 Jahre: 2

6 Jahre: 6

7 Jahre: 1

8 Jahre: 1

Unbekannt: 2

Ein Kind verlor noch in Kriegszeiten einen Fuß, ein Kind verstarb noch im Krieg an Grippe.

 

 

Eltern der Soldaten:

Vater tot: 4

Mutter tot: 1

Waise: 1

Beide Eltern: 35

 

Todesursachen der Soldaten:

Gefallen ( oder an der Verwundung verstorben ): 20

Krankheit ( auch in Gefangenschaft ): 12

Vermisst und für tot erklärt ( auch in Gefangenschaft ) : 7

Kriegsgefangenschaft Grund unbekannt: 1

Unfall, in diesem Fall Lawine: 1

 

Einteilungen:

IR 59 ( davon drei Dienstzugeteilt zu anderen Einheiten, 1 Artillerie 2 Infanterie ): 22

Artillerie diverse: 5

Infantrie diverse: 17

Hier fällt auf, dass 50% der Gosauer evangelischen Gemeinde dem IR 59 „Erzherzog Rainer“ zugeteilt war.

 

 Predigt 1921 zur Gedenkfeier der 41 Gefallenen

 

Bei der evangelischen Kirche steht das Mahnmal mit folgendem Inhalt:

Den Toten zum Gedenken, uns zur Mahnung!

Mahnmal für die Opfer von Krieg, Gewalt und Intoleranz

Das Mahnmal gegen Krieg und Intoleranz wurde anlässlich der Jahrgangsfeiern am 29. September 2002 eingeweiht.

“Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden” (aus Psalm 90)

Eine Deutung, von Pfarrer Gebhard Höberth, angelehnt an die Gedanken des Bildhausers Gernot Höll.

 

An der Basis drei mächtige Schleifstein-Räder. Schleifsteine – Symbol der Gosauer Heimat, der Eigenheit und Schöheit dieses Lebensraumes.
Die Schleifsteine sind verändert, zu harten, scharfen Zahn- oder Panzerrädern geworden. Aus Heimatliebe und –stolz wird Aggression, Verachtung und Kampf gegen alles, was anders, fremd und weit weg ist.
Aus nützlichen Schleifsteinen wird durch Fanatismus und maßlose Überheblichkeit das Räderwerk des Krieges. Es zermalmt, was sich ihm entgegenstellt, es entwurzelt die Menschen und reißt sie fort ins Elend und in die Fremde.
Zwei mächtige Baumstamm-Hälften ragen in den Himmel. Gosau – die „Mutter des Waldes“. Fruchtbarer Heimatboden, junge, kräftige, hochaufschießende Menschen, Hoffnung auf reiches Leben.

 

Dann aber: Die Stämme sind oben brutal abgeschlagen, geköpft mitten im Wuchs abgeschlagen, zurechtgestutzt, um ihre Hoffnung und Zukunft gebracht und betrogen, getötet und geopfert für die Interessen der Machtbesessenen. Und auch das, was geblieben ist, die immer noch starken Stämme – zerfurcht, eingekerbt, verletzt, in der Gefahr vom Räderwerk wieder weggerissen zu werden.

Hass, Krieg und Gewalt – sie entzweien Freunde, Nachbarn, Familien. Dies wird angedeutet durch die scharf getrennten Stamm-Hälften und durch deren Außenkonturen, die nicht gleich / paralell sind, sondern in unterschiedliche Richtungen gehen, im Widerspruch zueinander stehen.

 

Bleiben noch die glatten Innenseiten der beiden Stammhälften – ein Zeichen, dass noch Hoffnung ist, noch frisches, unverletztes Leben da ist, nicht alles zerstört und verwundet ist in uns und um uns, dass Leben auch nach den schrecklichsten Katastropen wieder neu blühen kann.

 

Es liegt an uns, ob unsere Zukunft mehr der Innen- oder der Außenseite unseres Denkmals entspricht.

Quellen:

www.evangelisch-in-gosau.at

 

Wikepedia

 

Zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Mitglieder der evang. Gemainde Gosau

http://www.denkmalprojekt.org